SCHWARZPULVER als Heilmittel während des Kriegs (1915) von John Henry Clarke, M.D. Vorgestellt von Dr. Robert Séror Übersetzung Gabriela Felix-Schurter
Bearbeitung Katrin Maier
Inhaltsübersicht Vorwort Kapitel I :
Wie Schwarzpulver eingenommen werden soll Kapitel II :
Die Beschaffenheit und die therapeutischen Eigenschaften von Schwarzpulver Kapitel III:
Beispiele der heilenden Wirkung von Gunpowder (Schwarzpulver) Kapitel IV :
Schlussbemerkungen VORWORT Als Sachverständiger für die Verwendung von Schwarzpulver als universelles Heilmittel gegen Blutvergiftung im Allgemeinen und septische Kriegswunden im Besonderen bin ich im Evening Standard, Daily Mirror und anderen Zeitschriften erwähnt worden.
Ich denke, dass ich dem allgemeinen Interesse am besten diene, wenn ich die Informationen über das Heilmittel in verschiedene praktisch ausgelegte Kapitel aufteile und sie so allen zugänglich mache.
In der folgenden Schrift werden alle notwendigen Informationen für den praktischen Gebrauch und das Verständnis des Heilmittels enthalten sein, und ich denke, dass die Anleitungen so klar und einfach sind, dass jede intelligente Person, Laie oder Mediziner, sie in die Praxis umsetzen kann.
Doctor John Henry Clarke.
8, BOLTON STREET, W.
August 4th, 1915.
I. Wie Schwarzpulver eingenommen werden soll Ein Artikel in der Zeitschrift Homoeopathic World in der letzten Januarnummer mit dem Titel "Schwarzpulver für Schützen" hat so viel Aufmerksamkeit erregt, dass ich es für richtig hielt, einen vollständigen Bericht über diesen eher neuartigen Aspekt seiner vielen Einsatzmöglichkeiten zu verfassen, die sich, wenn man der Geschichte Glauben schenkt, sein Entdecker, der Alchemistenmönch, Roger Bacon, nie hätte träumen lassen.
In welcher Form es eingenommen werden soll Zuerst empfiehlt es sich, einige Worte über die Form zu verlieren, in der das Heilmittel eingenommen werden kann. Zu Zeiten des Schwarzpulvers hatten die Soldaten Schwarzpulver als Heilmittel für bestimmte Formen von Vereiterungen erkannt, und sie nahmen es pur in teelöffelgroßen Dosen, die sie in heißem Wasser auflösten.
Ebenfalls pur wurde es gemäss dem Rector of Stradbroke auch von Schäfern verwendet, die es auf Brot und Käse streuten, um Wundvergiftungen, die sie sich beim Scheren und im Umgang mit den Schafen zuzogen, vorzubeugen und zu heilen.
Aber pures Schwarzpulver ist weder praktisch noch angenehm zum Einnehmen, obwohl ich nicht behaupten kann, dass es so nicht wirksam ist.
Das Präparat, das ich am meisten benutzt habe, ist die Verreibung in der homöopathischen dritten Dezimalpotenz (3x), entweder als Pulver oder als verdichtete Tabletten.
Für die Verwendung im Krieg ist die letzte Form am geeignetsten.
In dieser Form halte ich das Schwarzpulver für ein sehr starkes und wirksames Heilmittel.
Die 3x Verreibung ist eine sogenannte "schwache Verdünnung", das heißt, sie ist nicht unendlich klein, aber doch so, dass jeder Geschmack oder Geruch von purem Schwarzpulver verschwunden ist, und sie in keiner Weise explosiv ist.
Dosierung und Anwendung
Der hauptsächliche Wirkungsbereich von Schwarzpulver sind Fälle von septischen Vereiterungen oder, in anderen Worten, von Wunden, die mit Fäulniskeimen verunreinigt worden sind.
Meine Anweisungen in diesen Fällen:
Eine Tablette alle zwei Stunden bei Fieber.
Zwei Tabletten drei- oder viermal am Tag, wenn die Temperatur normal ist.
Schwarzpulver kann aber auch prophylaktisch angewendet werden.
Das heißt, es heilt nicht nur septische Vereiterungen, wenn sie vorhanden sind, sondern bietet dem Organismus ebenso Schutz gegen schädliche Keime, so dass es weniger wahrscheinlich ist, dass Wunden septisch werden, wenn jemand es eingenommen hat.
Meine Anweisungen in diesen Fällen:
Vorbeugend soll eine Tablette einmal am Tag eingenommen werden.
Aus Gründen der Analogie schließe ich, dass dies auch Schutz gegen andere Formen von Blutvergiftungen sowie gegen vergiftete Wunden bietet. Eine Tablette Schwarzpulver pro Tag einzunehmen ist für niemanden unangenehm oder schwierig.
Ich denke, es sollte gegen Flecktyphus oder cerebro-spinale Meningitis wirken. Falls diese Krankheit tatsächlich irgendwo auftritt, empfehle ich allen, die dort untergebracht sind, folgende Dosis einzunehmen:
Eine Tablette dreimal am Tag.
In Fällen von Blutgeschwüren, Karbunkeln und anderen Hautkrankheiten, inklusive Ekzeme, Abszesse, ob septisch oder nicht, Blutvergiftungen von Insektenstichen, Fleischvergiftung von Nahrungsmitteln, die nicht sachgemäß aufbewahrt wurden, würde ich verschreiben:
Eine Tablette jede Stunde oder alle zwei Stunden, je nach Heftigkeit der Symptome.
Dieselbe Dosis sollte angewendet werden im Falle einer Krankheit durch die Schutzimpfung (Pockenimpfung), die nun so Mode sind.
Das einfache Transportieren des Medikaments in dieser Form spricht ebenfalls zu seinen Gunsten. Ein Unzen-Fläschchen enthält 160 Tabletten. (1 Apothekerunze = ca. 31,1 gr.) Somit kann jeder Soldat, ohne dass es seiner Ausrüstung merklich Gewicht oder Volumen hinzufügt, soviel tragen wie er vermutlich brauchen wird.
Jeder homöopathische Apotheker kann die Tabletten liefern.
Meine eigenen Apotheker, Messrs. Epps, 60 Jermyn Street, S.W., haben bereits eine Anzahl an die Front geliefert.

II. Die Beschaffenheit und die therapeutischen Eigenschaften von Gunpowder
Beim Schwarzpulver, das für uns von Interesse ist, handelt es sich um das traditionelle Schwarzpulver, das hauptsächlich aus Schwefel, Kohle und Salpeter besteht. Modernes rauchfreies Schiesspulver ist anders zusammengesetzt. Da Schwefel, Kohle und Salpeter drei wirksame Mittel sind, die in der Pharmazie und der Physik wohlbekannt sind, ist es nicht verwunderlich, dass eine Kombination aus den dreien ebenfalls eine Medizin mit hoher Wirkungskraft ist. Die Tatsache, dass Schwarzpulver ein Medikament für Kriegsverletzungen ist, entbehrt nicht einer gewissen Ironie, aber die Soldaten haben schon lange instinktiv erkannt, dass Schwarzpulver sowohl heilen als auch töten kann.
Die Indianer von Nordamerika und Kanada haben es als Mittel gegen Schlangenbisse entdeckt.
Wie bereits erwähnt, benutzen es die Schäfer von East Anglia ausgiebig, um damit ihre Herden und sich selbst bei Wunden und Blutvergiftungen aller Art zu behandeln und zum Schutz vor Wundinfektionen.
Im zweiten Band meines Dictionnaire der Materia Medica, veröffentlicht 1902, habe ich in meinem Artikel über Salpeter (" Kalium nitricum ") einige Anwendungen von Schwarzpulver erwähnt, ebenso wie einige Experimente damit an mir selbst.
Aber meine Erkenntnisse über die Wirkung gegen Blutvergiftung von Schwarzpulver verdanke ich einem anschaulichen Artikel in der Homoeopathic World 1911, verfasst vom Pfarrer von Stradbroke, Suffolk, dem Rev. Roland Upcher, mit dem Titel " Bemerkungen zum Gebrauch von Schiesspulver (Schwarz)."

Rev. Roland Upcher
" Während der letzten vierzig Jahre, " schrieb Rev. Upcher, " habe ich durch eigene Experimente die Wirkung von Schwarzpulver als Mittel gegen verschiedene Formen von Blutvergiftung erkannt und beobachtet. Die Symptome der Blutvergiftung, bei der Schwarzpulver erforderlich ist, sind praktisch immer Abszesse, Furunkel oder Karbunkeln, und oft, wenn auch nicht immer, beachtliches Anschwellen des betroffenen Körperteils, begleitet von Hautverfärbungen, so dass der Arm von den Fingerspitzen bis zu den Achsellymphdrüsen fast einen violetten oder schwarzen Ton annimmt. In solchen Fällen, habe ich herausgefunden, wirkt Schwarzpulver, ob in großen oder in kleinen Dosen, wahres Wunder."
Herr Upcher erzählt, wie er diese Entdeckung machte.
"Mein Vater, ein Landpfarrer in Norfolk, bestellte in seiner Freizeit neben seinen leichten Pflichten auch das Pfarrland, und da es gutes Weideland war, hielt er Schafe. Er bemerkte, dass die Schafe während des Klauenschneidens an Fußfäule litten, und seine Schäfer dauernd Blutvergiftungen ausgesetzt waren, die mehr oder weniger (eher weniger, fürchte ich!) erfolgreich von den dortigen Ärzten behandelt wurden. Aber in der Regel endete es damit, dass der Schäfer die Arbeit aufgeben und etwas anderes tun musste. Schließlich aber kam ein Schäfer, der jahrein, jahraus keine Blutvergiftung hatte! " Das erstaunte den Pfarrer sehr, und er fragte seinen Schäfer, wie das komme. Der Letztere lud seinen Dienstherren ein, ihn zu seinem Nachmittagsmahl zu besuchen. Er kam wie abgemacht und fand ihn unter einem Baum sitzend und Brot mit etwas, das wie schwarzer Käse aussah, essend. "Aber Harry," rief er aus, "was isst denn du da? Es sieht aus wie schwarzer Käse."
"Nein, Meister," bekam er zur Antwort, "das ist nicht schwarzer Käse, sondern es ist weisser Käse mit Schwarzpulver bestreut, und das ist es, was das Gift raushält, das ist der Trick - ich bekomme nie Vergiftungen."
Im Laufe der Zeit wurde dieser Schäfer für höhere Aufgaben eingesetzt, und sein Nachfolger geriet bald in Schwierigkeiten, als die Klauenschneidesaison begann. Der Arm des Schäfers war geschwollen und beinahe schwarz von den Fingern bis zur Achsel. Der Pfarrer bemühte dieses Mal nicht die Gelehrten, sondern behandelte den Fall selbst. Er löste einen Dessertlöffel voll Schwarzpulver in einem halben Glas Wasser auf und machte daraus zuerst eine Paste, um dann nach und nach Wasser hinzuzufügen, und verabreichte das Ganze in einer Dosis!
Resultat : eine rasche und vollkommene Heilung.
Von da an nahmen die Schäfer des Pfarrers Schwarzpulver mit ihrem Käse, und die Blutvergiftungen hörten auf.
Aber das war noch nicht alles.
Der Pfarrer konnte eine solch gute Sache nicht für sich allein behalten und sah es als seine Pflicht an, seine Kirchgemeinde aus seiner Entdeckung Nutzen ziehen zu lassen.
"Unzählige Male", sagt sein Sohn, "bekam ich eine Dosis des Familienhausmittels: Furunkeln, Karbunkeln, Ausschlag - allem, was von einer Blutvergiftung hätte herrühren können, wurde mit Schwarzpulver der Garaus gemacht." Wie die Familie, so wurden in der ganzen Kirchgemeinde solche Leiden von Männern, Frauen und Kindern, ja sogar Tieren, vom guten Pfarrer mit demselben Mittel und demselben Erfolg kuriert.
Pfarrer ll., der jetzige Rev. Upcher, benutzte das homöopathische Präparat des Schwarzpulvers (Gunpowder)- dasjenige, das ich an mir selbst ausprobiert habe. Dies ist zugleich praktischer und angenehmer als normales Schwarzpulver, und nicht weniger wirksam für Heilzwecke.
Von meiner Kenntnis der jeweiligen Eigenschaften von Schwefel, Kohlestoff und Salpeter hatte ich keinen Zweifel, dass die Beobachtungen der Schäfer und ihrer geistlichen Hirten durchwegs korrekt waren.
Man könnte sagen, dass die ganze Kunst der Heilmedizin auf einer Sache beruht - die Anzeichen richtig zu deuten. Wenn eine Behandlung nötig ist, gibt es üblicherweise hundert Mittel, die mehr oder weniger in Frage kommen. Um das Beste der ganzen Palette auszuwählen, ist es wichtig, dass man die Erscheinungsformen, die Zeichen und die Symptome des Patienten richtig deuten kann. Es kann sehr leicht passieren, dass man ein Symptom überbewertet und ein anderes zu wenig beachtet, und so die Arznei verfehlt, die notwendig ist.
Das Großartige am Gunpowder ist, das es ein breites und klar definiertes Anwendungsgebiet hat, das kaum jemand falsch deuten kann - Blutvergiftung.
Soldaten haben es herausgefunden, Schäfer haben es herausgefunden, amerikanische Ureinwohner haben es herausgefunden.
Ein gewöhnlicher Schnitt oder eine einfache Wunde heilt schnell, wenn eine Person gesund ist. Aber wenn ein krankmachender Virus eindringt, oder wenn das Blut der Person unrein oder von tiefer Lebenskraft ist, schwillt der Körperteil an, es wird Eiter gebildet, und die Gliedmasse kann gefährdet sein. Oder wenn ein Körperteil einen Schlangenbiss erlitten hat, geschieht dasselbe, nur schneller, und die zugehörigen Symptome entwickeln sich schneller. Oder irgendwelche Giftstoffe können auf einem anderen Weg ins System gelangen - durch das Einatmen verdorbener Luft, das Trinken verschmutzten Wassers oder das Essen von verdorbenen Nahrungsmitteln. Das Gift gelangt rasch ins Blut - Furunkel, Karbunkel, Ausschläge, Abszesse oder andere Erscheinungsformen zeigen sich und weisen unmissverständlich auf vergiftetes Blut hin.
In all diesen Fällen wirkt Gunpowder als Gegengift.
Man kann sich fragen, auf welche Weise es wirkt?
Hat es eine antiseptische Wirkung und tötet die Keime ab?
Bis zu einem gewissen Grad besteht eine solche Wirkung. Kohle und Schwefel, wie auch Schwefelderivate, wie schweflige Säure, sind sehr wirksame Antiseptika und Keimtöter. Aber die Menge davon, die in meinen Fällen benutzter Präparate, genügt bei weitem nicht, um eine direkte keimtötende Wirkung zu entfalten.
Aber Gunpowder als homöopathisches Präparat bewirkt, dass das Blut antiseptisch wirkt, oder, genauer gesagt es hilft dem Blut, seine antiseptische Wirkung zu verstärken. Denn das gesunde Blut ist ein wirksamer Keimtöter und der Grund, warum nicht alle Menschen angesteckt werden, wenn Epidemien herumgehen, ist, dass das Blut derjenigen, die verschont bleiben, die Keime, die sie angreifen, abtöten kann.
Man mag sich fragen: Wie kann eine winzige Menge Schwarzpulver, oder von irgendetwas anderem, dies bewirken? Um dies umfassend zu beantworten, müsste man das Geheimnis des Lebens selbst erklären müssen. Nun wissen wir aber einiges über das Leben, und die Phänomene, in Zusammenhang mit Radium, können ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Wenn Substanzen den Prozess der gestaffelten Verdünnung durchlaufen, verlieren sie zwar ihre groben physikalischen Eigenschaften, erwerben aber andere, die einigermaßen analog zu den Eigenschaften von Radium sind. Und zwar so: Eine Substanz, die mit Radium in Kontakt gekommen ist, wird durch die Wirkung der Radiumstrahlen selbst strahlend. So werden die homöopathisch verdünnten Substanzen auf einen höheren Schwingungsstufe gebracht und sind in der Lage, ihre Schwingungen auf die Person zu übertragen, die sie einnimmt, genau so wie Radium seine Strahlung auf die Körper überträgt, mit denen es in Kontakt kommt. Sei's wie's wolle: (und es muss gestanden werden, dass alle Versuche, die Phänomene des Lebens zu erklären, im Grunde unbefriedigend sind): Die Tatsache bleibt, dass Schwarzpulver, in winzigen Mengen eingenommen, das Blut in die Lage versetzt, sich von Krankheitskeimen zu befreien, die durch beträchtliche Mengen der Bestandteile von Schwarzpulver abgetötet würden, wenn sie in einem Reagenzglas zu denselben hinzugefügt würden.
Zum Glück müssen wir uns mit den Fakten und nicht mit den Erklärungen befassen. Die meisten Erklärungen sind nicht viel mehr als eine Neuformulierung des Problems mit anderen Ausdrücken, die ständig ändern. Die Tatsachen aber bleiben immer dieselben - für unseren Gebrauch und als unsere Leitlinie.
Man kann mich fragen: Was ist mit den Antiseptika? Genügen sie nicht?
Nun habe ich keinerlei Einwände gegen Antiseptika als solche. Antiseptische, oder besser gesagt sterile Operationen, sind ein sehr großer Fortschritt gegenüber älteren Methoden.
Aber der Gebrauch von Antiseptika beruht weitgehend auf der Keim-Theorie, und die Keim-Theorie ist nur eine Seite der Frage.
Die wesentliche Frage ist die andere, und, wie ich meine, größere Seite.
Die Fälle, bei denen es unmöglich ist, die Wunden durch äußere Anwendung keimfrei zu machen oder zu halten sind zahllos. Außerdem ist es sehr wohl möglich, Heilung durch ihren Gebrauch zu verhindern. Denn um jegliche Keime abzutöten, die in einer Wunde vorhanden sind, kann es nötig sein, dass ein Antiseptikum solcher Stärke angewendet werden muss, dass der verletzte Körperteil geschwächt wird. Dies erklärt, warum manche Wunden trotz sorgfältiger antiseptischer Behandlung nicht heilen wollen. Darum ist eine Behandlung, die so wirkt, dass das Blut gestärkt wird, viel erfolgsversprechender.
Für lokale Verbände ziehe ich einfachen sterilisierten Verbandsmull nach einer Reinigung mit abgekochtem Wasser, oder, noch besser, abgekochtem Wasser mit Calendula-Tinktur (Ringelblume) oder Hamamelis-Tinktur (Zaubernuss) im Verhältnis eines Teelöffels auf ein halbes Pint (1 Pint = 568,261285 ml ) vor.
Dies sind sehr nützliche Ergänzungen; aber die interne Arznei ist die Hauptsache, und sie wirkt trotz allen möglichen widrigen Umständen.
Herr Roland Upcher begann seine Experimente mit eigentlichem Schwarzpulver, und wechselte später zu tieferen homöopathischen Präparaten. Die 1x-Zerreibung entspricht 0,1 in der Dezimalskala, 2x ist gleich 0,01 und 3x 0,001, das heißt ein Tausendstel des Originalproduktes.
Herr Upcher erklärt, warum er an die therapeutische Wirksamkeit von Schiesspulver glaubt, in dem er die Eigenschaften der einzelnen Komponenten berücksichtigt. Nachdem er bemerkt, dass Schwefel (Sulphur) ein bekanntes Mittel gegen Furunkel, Ausschläge, Juckreiz, Ekzeme und unterdrückte Unreinheiten ist, dass Kohle (Carbo vegetabilis) einen sehr ähnlichen Anwendungsbereich hat; dass Salpeter (Kali nitricum) eine starke Wirkung auf die Haut hat und die Poren öffnet, zitiert er den Abschnitt aus meinem Dictionary of Materia Medica, Vol. II., page 144 : "Eine Salpeterlösung war ein altes Mittel für chronische Räude bei Katzen. Salpeter mit Kohle und Schwefel ergibt Schwarzpulver. Ein Teelöffel davon in heißem Wasser war ein beliebtes Mittel gegen Gonorrhö zur Zeit, als Schwarzpulver verwendet wurde. In einigen Experimenten, die ich selbst mit 2x-Schwarzpulver gemacht habe, hat sich eine schwere Gesichtsherpes an der rechten Augenbraue und auf der rechten Seite der Nase entwickelt." Herr Upcher fügt an, dass er aus seiner Erfahrung mit Gunpowder als Heilmittel gegen Herpes die Richtigkeit meines Experiments an mir selbst bestätigen kann.
Dass ich 3x Gunpowder statt der tieferen Verdünnungen für meine therapeutische Arbeit benutze, ist vermutlich dem Einfluss des oben erwähnten Experiments zuzuschreiben. Ich trage die Spuren davon bis heute und habe nicht den Wunsch, das Experiment bei jemand anderem zu wiederholen.
3x Gunpowder hat bis jetzt meine Erwartungen immer erfüllt, ohne unerwünschte Nebenwirkungen auszulösen.
III. Beispiele der heilenden Wirkung von Gunpowder.
Zusätzlich zu den von Herrn Upcher beschriebenen Fällen mag es von Interesse sein, einige meiner Fälle aufzuzeichnen.
Zuerst behandle ich den Fall des Kanoniers, den ich bereits im vorher erwähnten Artikel dargestellt habe. Man wird bemerken, dass ich in diesem Fall auch andere Arzneien als Gunpowder anwendete, aber der Verlauf des Falls zeigte, dass Gunpowder das Haupttherapeutikum im Heilungsprozess war.
H. J. S., 30, ein Unteroffizier der Artillerie in einem indischen Regiment, der in Indien als Sohn englischer Eltern geboren war und das Land nie vorher verlassen hatte, kam am 9. April 1913 in ziemlich ernstem Zustand zu mir. Er war ein Mann von sehr kräftigem Bau, aber seine Haut hing an ihm herunter und er war von Kopf bis Fuss mit Geschwüren bedeckt, einige davon nässend, einige mit einer rupia-artigen Kruste, und kupferfarbene Flecken, die anzeigten, wo sich früher Geschwüre oder "Karbunkel" befunden hatten. Seine Geschichte war die folgende: Etwa zwei Jahre zuvor hatte er einen Ausbruch von Furunkeln erlitten, und sechs Monate später eine zweiten Befall. Alle vier oder fünf Monate hatte er wieder einen Anfall, bis zu jenem, an dem er jetzt litt. Da alle Versuche, ihn zu heilen, scheiterten, wurde ihm beschieden, dass alles, was er noch machen könne, eine Seereise nach England und eine Luftveränderung war. H. J. S. wurde von seinen Vorgesetzten sehr geschätzt. Er war ein Sportinstruktor, ein völliger Abstinenzler und ein erfahrener Artillerist. Damit er während seiner Abwesenheit von Indien keine Lohneinbusse erleiden musste, hatten seine vorgesetzten Offiziere freundlicherweise einen Instruktionskurs in Woolwich für ihn arrangiert. Er war seit sechs Wochen in England, als er zu mir kam. Die Veränderung hatte ihm nicht gut getan, im Gegenteil, es ging ihm immer schlechter. Während der Seereise nach Hause hatte er an Diarrhoe gelitten. Seine Verdauung war schlecht und sein Schlaf durch die Schmerzen seiner Wunden unterbrochen. Er hatte während vierer Wochen zwei Stones (ca. 13 kg) an Gewicht verloren; insgesamt hatte er fünf Stones (ca. 31 kg) abgenommen. Der Nacken, der Oberkörper und die Extremitäten waren alle betroffen. Die Lymphdrüsen in der Leistengegend waren stark angeschwollen und schmerzten. Beim Versuch, die Ursache seines Problems zu erkunden, fand ich heraus, dass seine Gesundheit vorher ausgezeichnet gewesen war. Aber 1894 war er von einem Eichhörnchen in den Finger gebissen worden, und sein Finger hatte lange nicht geheilt. Das deutete auf eine gewisse Anfälligkeit auf Blutvergiftung hin. Er hatte Fieberanfälle erlitten, aber praktisch nur im Zusammenhang mit dem Ausbruch von Furunkeln. Den ersten Anfall hatte er Ende November 1911. Ende Oktober vorher war er geimpft worden, zum zweiten Mal in seinem Leben, und "es hatte gewirkt." Das hatte es tatsächlich! Für mich war der Zusammenhang zwischen der Impfung und seinem jetzigen Zustand klar. Gleichzeitig mit meinem Patienten war ein anderer Soldat geimpft worden und erkrankte kurz darauf in ganz ähnlicher Weise. Aber dieser Mann war nicht gemäßigt in seinen Gewohnheiten, und seine Krankheit wurde von seinen Kompanieärzten dem Alkohol zugeschrieben. Das konnte für meinen Patienten nicht zutreffen, da er sein Leben lang abstinent gewesen war. Die einzige andere Erklärung war Syphilis. Er bestritt diese Möglichkeit entschieden, und seine Worte wurden durch die Wassermann Tests bestätigt, die durchwegs negative Resultate lieferten, obwohl sie immer und immer wieder gemacht wurden.
Meine Diagnose war klar – VAKZINOSE (Impfreaktion), sekundär oder tertiär. Dies wurde durch die Tatsache bestätigt, dass der Befall am rechten Arm, der Stelle der Impfnarbe, am schlimmsten war und am langsamsten heilte. Die Tatsache, dass sein rechter Arm schlimmer betroffen war, wurde von seinen Ärzte damit erklärt, dass er durch Cricket, Bowling etc. zu sehr belastet wurde! Ich verschrieb ihm Gunpowder 3x acht Gran (ca. 0,5 gr.) dreimal täglich; und Thuja 200 drei Dosen in der Woche.
Nach dieser Woche war er ein neuer Mann. Er hatte immer noch Wunden, aber sie heilten, und er machte einen ganz anderen Eindruck. Sein Appetit hatte sich so gebessert, dass übermäßiger Genuss zu leichten Verdauungsstörungen und Diarrhoe geführt hatte. Seine Haut sah viel besser aus.
Am 24. April wog er 10 Stone und 11 Pfund (ca. 68 kg). Er hatte bis dahin einiges zugenommen, aber ich hatte keine Angaben zu seinem Gewicht, als er zum ersten Mal zu mir. Am 5. Juni wog er 11 Stones 11 1/2 Pfund (ca. 75 kg) und am 18. September 12 Stone 6 1/2 Pfund (ca. 79 kg). Während dieser Zeit ging es ihm immer besser. Neue Schwellungen oder "Furunkel " traten gelegentlich auf, und einige Wunden an den Händen, gleich unter den Handgelenken, besonders rechts, erwiesen sich als besonders hartnäckig. Ich liess nun das Gunpowder weg und verabreichte stattdessen Silicea 3x in Acht-Gran-Dosen (ca. 0,5 gr.) auf dieselbe Weise; Thuja 200, dreimal pro Woche, weiterhin wie vorher.
Der Zustand des Patienten änderte sich rasch. Neue Furunkeln bildeten sich, Diarrhoe setzte ein, mit bitterem Geschmack, belegter Zunge und leichtem Fieber. Die Diarrhoe war schlimmer nach dem Trinken von Milch. Das Gewicht ging auf 11 Stones 8 Pfund (ca. 73 kg), aber der Zustand der Hände hatte sich sehr gebessert.
Trombid. 200 half rasch gegen die Diarrhoe, und dann gab ich ihm nur Gunpowder 3x acht Gran (ca. 0,5 gr.) alle vier Stunden, Thuja liess ich weg. Am 16. Oktober ging es ihm in jeder Hinsicht wieder viel besser, und sein Gewicht war auf 12 Stone 2 1/2 Pfund (ca. 77 kg) hinaufgegangen. Bald darauf war seine Zeit in England abgelaufen und er fuhr bei sehr gutem Gesundheitszustand nach Indien zurück, nachdem er seinen Kurs erfolgreich absolviert hatte. Ich gab ihm einen reichlichen Vorrat an Gunpowder mit nach Hause, und bat ihn, mich wissen zu lassen, falls er einen Rückfall erleide. Da ich bisher nichts von ihm gehört habe, nehme ich an, dass er irgendwo im weiten Kriegsgebiet mit seinen Kanonen beschäftigt ist.
Hier noch einige weitere meiner Fälle:
Giftiger Stich.
Eine Dame mit sehr empfindlicher Haut war von einer Steckmücke in den Fuß gestochen worden, was zu einer Schwellung, einer Entzündung und zu Vereiterung führte. Um den Stich herum hatte sich eine ringförmige Entzündung gebildet, die sich konstant ausweitete und dabei zur Ablösung der Epidermis führte. Nachdem mehrere Mittel nicht wirken, half Gunpowder 3x acht Gran (ca. 0,5 gr.) dreimal täglich rasch.
Vergifteter Schnitt.
Ein Herr litt an einem schweren Schnitt durch ein Messer an seinem linken Zeigefinger. Die Wunde wollte nicht heilen. Eine ringförmige Entzündung führte zu Hautablösungen und weitete sich mehr und mehr aus. Lachesis und andere Mittel zeigten keine Wirkung. Gunpowder 3 X half rasch.
Kanalgas-Vergiftung.
Eine Dame litt an einer schweren Kanalgas-Vergiftung. Die Folge war ein Anschwellen des rechten Arms und der Achsellymphdrüsen der rechten Seite. Als sie drei Monate nach dem Unfall zu mir in die Sprechstunde kam, war der rechte Arm durch die Schwellung am Ellbogengelenk fast unbeweglich. Oberhalb und unterhalb drohte Vereiterung. Die Achsellymphdrüsen waren so gross wie ein Hühnerei. Gunpowder 3x führte zu einer schrittweisen Besserung, und obwohl die Behandlung durch eine Masererkrankung unterbrochen wurde, konnte die Beweglichkeit des Arms wieder vollständig hergestellt werden.
Der folgende Fall zeigt , dass, da Erdbeben und Krieg in die selbe Kategorie von Katastrophen gehören, Gunpowder auch hilfreich sein kann in Fällen, die durch das eine oder andere Ereignis hervorgerufen werden.
Blutvergiftung durch Erdbebenstaub.
1912 behandelte ich eine Dame, die während des großen Erdbebens, das einige Jahre zuvor solch große Schäden angerichtet hatte, in Jamaica gewesen war. Sie fragte mich, ob ich etwas für ihre kleine vierjährige Nichte tun könne, die in Jamaica lebe und an einem Hautproblem leide. Sie war kurz nach dem Erdbeben geboren worden, war ein sehr kleines Kind, und war schon immer sehr nervös, und litt, wie viele andere Kinder der Kolonie nach dem Erdbeben, an Hautausschlägen. Es war, wie wenn das Erdbeben aus der Tiefe heraus einen neuartigen, Reizungen verursachenden Staub aufgeworfen hätte. Die ersten Symptome waren "Hitzebläschen", die stark bissen. Danach bildeten sich Blasen, deren Wundflüssigkeit ausgedrückt werden musste. Vor allem die Knöchel und der Oberkörper waren betroffen. Jeder Mückenstich führte zu einer vergifteten Wunde. Die kleine Patientin war matt, nachts sehr nervös und eine unruhige Schläferin. Das waren die Gegebenheiten, wie sie mir ihre Tante erzählte. Mir schien, Gunpowder sei genau das richtige Mittel für sie, und am 4. Januar 1912 sandte ich eine Lieferung von 5 X Pulver. Schließlich erhielt ich die Nachricht, dass es ihr eine Woche nach Beginn der Einnahme schon viel besser ging. Sie schlief besser, die Verdauung funktionierte besser, und was ihren Appetit anging, konnte man ihr, die man vorher dazu überreden musste, überhaupt etwas zu essen, kaum genug geben. Gleichzeitig verbesserte sich das Hautbild. Eine zweite Lieferung Pulver wurde am 30. April versandt, da sie erneut einen Ausschlag mit Fieber erlitten hatte. Von da an ging es ihr ständig besser und sie wurde vollständig geheilt.
Ich darf diesen (Fällen) ein Vorwort des Herausgebers der Homoeopathic World vom 1. Juni beifügen, das die Arbeit eines anderen Beobachters aufführt:
Eitrige Entzündung am Daumen.
Weitere „Gunpowder–Fälle“ liegen vor.
Der neueste betrifft eine eitrige Entzündung am Daumen einer 19jährigen Krankenschwester. Die Entzündung wurde chirurgisch behandelt und Eiter entfernt, aber sie hielt an, und es wurde ein Verlust eines Fingergelenks in Betracht gezogen, bis eine kurze Behandlung mit Gunpowder 3x zu zufriedenstellender Heilung und Vernarbung führte."
IV. Schlussbemerkungen.
Ich denke, es besteht kein Zweifel, dass die oben aufgeführten Aussagen genügen, um meine Empfehlung von Gunpowder als Mittel mit beinahe unbegrenzten Anwendungen bei Kriegswunden zu rechtfertigen. Zusätzlich hat es den Vorteil dass es, in der empfohlenen Form, sehr wirkungsvoll ist, so ungefährlich wie Schwefel und Melasse, Biberöl oder Gregorys Pulver (Abführmittel, das Rhabarber, Magnesia und Ingwer enthält, genannt nach seinem Erfinder, Dr. James Gregory, schottischer Arzt, 1753 - 1821). Es ist ein völlig sicheres Hausmittel. Aus diesem Grund habe ich keine Bedenken, es der Bevölkerung, zivil oder militärisch, zu empfehlen.
Meiner Meinung nach gäbe es erheblich weniger eitrige Wunden unter unseren Verwundeten und diejenigen Wunden, die eitrig werden, würden bedeutend schneller heilen, wenn es (Gunpowder) in der Armee flächendeckend eingesetzt würde. Man könnte sich fragen, weshalb ich so sicher sein kann, obwohl ich keine offizielle Stellung in der Armee oder in der Marine innehabe, und ich keine Möglichkeit habe, das Heilmittel persönlich in großem Umfang zu testen. Darauf antworte ich, dass der Erfolg in der Medizin wie in der Kriegsführung oft von einer intelligenten Einschätzung der Absichten und der Ressourcen des Feindes abhängt.
Eine Unze Weisheit ist oft mehr wert als Tonnen von Erfahrung.
Als die Cholera vor etwas mehr als einem Jahrhundert in Europa ausbrach, war die medizinische Welt in zwei Lager geteilt: die Anhänger Hahnemanns auf der einen Seite, und der ganze Rest auf der anderen Seite. Bevor die Epidemie sie erreichte, wurden Berichte von Krankheitsfällen gekauft und veröffentlicht. Aufgrund der beschriebenen Symptome war es Hahnemann möglich, die Heilmittel zu nennen, die voraussichtlich gebraucht würden. Somit war seine Gruppe, die in weiser Voraussicht des zu Kommenden gehandelt hatte, bereit und handlungsfähig, als die Epidemie ausbrach. Die andere Gruppe, die man die "Warten-wir's-ab"-Gruppe nennen könnte, war überhaupt nicht vorbereitet, und verlor über 70 Prozent ihrer Patienten, wogegen die Homöopathen über 70 Prozent ihrer Patienten retteten.
In unserem Heer gibt es, soviel ich weiß, nur Wundärzte (Chirurgen) im Rang eines Kapitäns, eines Majors, eines Obersten und eines Generals. Falls es so etwas wie einen Mediziner im Generalsrang gibt, muss ich zugeben, dass ich noch nie von ihm gehört habe. Aber währenddem die Chirurgie während der Kriegshandlungen von höchste Bedeutung ist und einen sehr hohen Grad an Perfektion erreicht hat, ist doch auch die Arbeit eines Mediziners sehr wichtig, und ich denke, dass dieser Bereich in der Praxis bei weitem noch nicht so voll entwickelt ist wie der Bereich der Operation. Aus diesem Grund leiste ich meinen Beitrag zur vernachlässigten Branche, und ich denke nicht, dass irgend ein Chirurg etwas dagegen haben könnte, wenn sich einige seiner Patienten mit ein paar Tabletten Gunpowder 3x behandeln möchten.