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Die homöopathische Therapie von Hautwarzen.
Von Dr. Mossa, praktischer Arzt in Bromberg.

Die Hautwarzen sind eine so alltägliche Erscheinung, dass man an ihnen, was bei so manchen andern alltäglichen pathologischen Phaenomenen, die darum aber durchaus nicht gleichgültig sind für den Gesundheitszustand unseres Organismus, leichthin vorübergeht; wenn man ihnen einmal Aufmerksamkeit zuwendet, so geschieht dies mehr aus kosmetischen Rücksichten. Dass sie, wenn sie an Händen oder gar im Gesicht zahlreich und in hässlichen Formen auftreten, die zarteste Hand und das sonst schöne Gesicht nicht wenig entstellen, ist freilich nicht zu leugnen, und manches wohlgebildete Fräulein gäbe wer weiss was darum, diese Entstellung los zu werden. Geschieht dies auf chirurgischem Wege, so tritt häufig an die Stelle der entstellenden Warze eine nicht weniger entstellende Hautnarbe; da ist nicht viel für die Kosmetik gewonnen. Die Homöopathie, die nach Hahnemann's Vorgang in diesen Aftergebilden des Hautgewebes mehr als ein örtliches, ein mit dem ganzen Organismus im ursächlichen Zusammenhange stehendes Leiden erkennt, hat den Versuch gewagt, auch die Warzen in ein Gebiet der inneren Medizin hinein zu ziehen und dieselben mit solchen Mitteln, welche, dem Constitutionsbilde des Kranken entsprechend, auch die Erzeugung von Hautwarzen in ihren physiologischen resp. homöopathischen Prüfungen nachweisen, zur Heilung zu bringen, und hat bei diesem Bestreben manchen hohen Triumph gefeiert.
Die Histologie lehrt uns, dass die Hautwarzen nicht blosse Verdickungen der Epidermis sind, sondern dass ihnen eine krankhafte Entwickelung des Papillarkörpers zu Grunde liegt. Sie bilden sich aus kleinen rothen Flecken, die sich zu einem röthlichen, helldurchscheinenden Hügelchen erheben; mit der Lupe sieht man sie in mehr oder weniger regelmässigen Linien, Reihen oder Feldern stehen, welche Anordnung sie dem eigentümlichen Stande der vergrösserten Hautpapillen verdanken. Die Oberhaut, welche diese Hügelchen bekleidet, scheint Anfangs wenig verändert, später jedoch verdickt sie sich, wird trüber, und dann werden die Linien, welche die einzelnen Papillarwucherungen trennten, unkenntlich.
Die Warze sitzt entweder glatt auf breiter, flacher Basis oder sie wird nach oben hin dicker, gestielt, oder sie spaltet sich an ihrer Spitze mehrfach, wenn nämlich die Papillen stark anwachsen und der epidermale Ueberzug einreisst nnd sich abschilfert (Kronenwarze). In jeder der Pupillen verläuft eine kleine Gefässschlinge, weshalb die Warze blutet, sobald man in einer gewissen Tiefe schneidet. Gestielte Warzen lassen sich leicht mit der Papille, die ihre Basis bildet, aus der Haut hervorheben, aber sie wachsen meist aus derselben Stelle wieder nach. Lässt man die Warzen unangetastet, so bleiben sie gewöhnlich lange Zeit, oft das ganze Menschenleben hindurch unverändert stehen; zuweilen schwinden sie jedoch spontan. Werden sie durch Kratzen, Schneiden u. dergl. gereizt, so entzünden sie sich; die Hornschicht der Epidermis wird losgestossen und auf der Oberfläche der Papille findet eine lebhafte Zellenbildung statt, so dass die Warze die Form eines Geschwüres mit papillärer Basis annimmt. In der Cutislage solcher maltraitirten, ulcerirenden Warzen bildet sich zuweilen eine ulcerirende Papillar-Geschwulst, ja selbst der Epithelial-Krebs aus.
Was die Aetiologie der Warzen betrifft, so mag eine einzelne Warze an den Fingern aus rein lokalen Ursachen, wie Druck, entstehen; wenn sie aber im Gesicht, an der Nase vorkommen, oder an den oberen Extremitäten in grösserer oft sehr reicher Anzahl, so liegt ihnen ohne Zweifel eine innere constitutionelle Ursache zu Grunde. Schon der Vater der Arzneiwissenschaft, Hippokrates, machte in seinen Aphorismen III, 26 die interessante Bemerkung, dass sich bei heranwachsenden Kindern neben andern Krankheiten (Mandelentzündungen, Drüsenanschwellungen u. s. w.) häufig gestielte Warzen finden. In der That beobachten wir diese Hautgebilde besonders häufig im jugendlichen Alter, vorzugsweise bei Mädchen zur Zeit der beginnenden Pubertät, und zwar oft in grosser Anzahl und in entstellender Form, an den Fingern oder der Mittelhand. Tritt dann die Reife ein, kräftigt sich der Körper, so verschwinden sie häufig von selbst; doch bei blutarmer, hydrogenoider Constitution bleiben sie oft Jahre, ja lebenslang bestehen. Auch will man sie bei jugendlichen Personen, die der Masturbation ergeben sind, ganz besonders beobachtet haben, wie diese ja neben einem zerrütteten Nervensystem vielfach Anaemie oder Hydraemie davontragen.
Nach diesen vorausgeschickten allgemeinen Bemerkungen, wollen wir versuchen das casuistische Material, das uns die homöop. Litteratur liefert, zusammenzustellen und einige eigene Beobachtungen hinzuzufügen. Da nun bei uns Homöopathen für das klinische Experiment, das Heilbestreben, das Heilmittel durch das physiologische Experiment, die Prüfung an Gesunden, an die Hand gegeben wird, so wollen wir den Heilungsgeschichten das Mittel voranschicken. Da tritt uns zunächst als Warzenmittel entgegen.


Solanum Dulcamara

Hahnemann nebst seinen Schülern haben dies wichtige Mittel, das schon vordem einen guten Ruf hatte, frühzeitig geprüft: so aber stellt es sich heraus, dass es eine ganz ausserordentliche Wirkung auf das Hautgewebe entfaltet. Unter den „Beobachtungen Anderer" heisst es im I. Band der R. A. M. L. 279: „Die Hände wurden mit einer Art Warzen bedeckt, dergleichen er sonst nie hatte." Diese Beobachtung hat Stapf (wohl an sich selbst?) gemacht, am einundzwanzigsten Tage der Dulcamara-Prüfung. Espanet beschreibt diese Warzen als glatt, zuweilen wie durchscheinend, sie erheben sich schnell, kommen zugleich mehrfach. Ihr bevorzugter Standort ist das Gesicht und die Hände. Von klinischer Ausbeute über diese Wirkung der Dulcamara finden wir leider sehr wenig in unserer Litteratur. Ich lese nur, dass Knorr sie bei Warzen, besonders im Gesicht empfohlen hat. Damit ist aber nicht gesagt, dass dies Mittel an passender Stelle nicht grosse Heilkraft nach dieser Richtung entwickeln könne. Auch Jahr spendet ihm grosses Lob.


Rhus

Die Warzen erzeugende Wirkung dieses Mittels findet sich mehr angedeutet, als deutlich ausgesprochen. So heisst es in der Prüfung: Die vom Saft berührte Hautstelle ward dicht und hart wie Leder. Der Saft macht die Haut, die er berührt hat, hart wie gegerbtes Leder; nach einigen Tagen schuppen sich die verhärteten Stellen ab.
Knorr (Allg. h. Zeit. 5, 321) sagt: „Ich habe Rhus 12, 15, 30 einen Tropfen repet. nur gegen jene Warzen hilfreich gefunden, (und dies in vielen Fällen), die vorzugsweise an den Fingern und Händen vorkommen, eine breite Basis haben, von der Grösse einer Linse bis Zuckererbse und darüber erscheinen, an ihrer Basis fleischig, aber ihrer übrigen grösseren Masse nach aus einer hornartigen, rauhen höckerigen, verdickten. Epidermis bestehen, sich rauh und hart wie eine Bürste anfühlen, unempfindlich sind, auf ihrer Oberfläche schmutzig gelb-grau, zuweilen wie mit schwarzen Borsten besetzt aussehen, nicht durch Eiterung und Zusammenschrumpfen zu einem braunen harten Schorf, wie die durch Calc. c. heilbaren Warzen, verschwinden, sondern allmälig an Ausbreitung und Höhe abnehmen, bis sich zuletzt die harte, vernarbte Oberfläche mit dem Finger abreiben lässt, und darunter die gesunde, glatte Haut erscheint. Diese Warzen vergehen nur sehr langsam.


Einzelner Fall

Ein Mädchen, 30 Jahr alt, untersetzt, sanguinisch, hatte grössere und kleine verunstaltende Warzen an beiden Händen, die allen bisher angewandten Reizmitteln widerstanden hatten.
Verordnung. Rhus 9, 1 Trpf. In zwei Wochen fingen sie an, sich zu verkleinern, nach drei Wochen waren die kleineren verschwunden. Die noch vorhandenen wurden mit Rhus 0 betupft, worauf nach vierzehn Tagen alle dauerhaft geschwunden waren. Arch. 6. 2. 21. Gross.


Thuja

Dieses von Hahnemann und seinen Schülern wohl geprüfte, heilkräftige Mittel hat sich als ein Warzenmittel par excellence gezeigt und bewährt. Es sind aber nicht nur einfache Hautwarzen, die in die Wirkungssphäre der Thuja fallen, sondern auch die unter dem Einfluss des Tripper- oder Syphilis-Giftes entstandenen, die Uebergangsstellen der Haut- und Schleimhaut, zumal an den Geschlechtstheilen zum Sitz erwählenden, durch besondere Eigenthümlichkeiten ausgezeichneten Feigwarzen, Papilloma Condyloma. Letztere gehen zwar auch aus einer Hypertrophie der Hautpapillen hervor, doch sind bei ihnen die Capillarschlingen wesentlich mit betheiligt.
Die Histologie zeigt uns hier nämlich, wie durch Erweiterung, Verlängerung und mehrfache Schlängelung die Capillarschlinge der Papille zu einem kleinen, aber mit blossem Auge sichtbaren Kölbchen sich gestaltet; indem dann die Capillarschlinge sich immer mehr ausbuchtet und vielfache Schlingen nach aussen bildet, wird das Kölbchen hirsekorngross; der Bindegewebsstamm der Papille folgt den Windungen des Gefässchens und wird zuweilen ebenfalls dicker durch Lagen von im Bindegewebe sich umbildenden Faserzellen; die Epidermis behält meist ihre normale Dicke.
Werden mehrere Papillen gleichzeitig ergriffen, so erhebt sich auch die Cutis und erscheint dann mit hirsekorngrossen Kölbchen besetzt wie eine Himbeere; werden grosse Partieen ergriffen, so geht die Hypertrophie der Cutis und des subcutanen Bindegewebes durch Neubildung von Bindegewebe nebst Papillarhypertrophie weiter vor sich; es entstehen taubenei- bis faustgrosse Geschwülste, die ans einzelnen Lappen bestehen; die Kölbchen sitzen oft an den verästelten Falten und Verlängerungen der Cutis wie Blätter auf. So kommt es, dass die äussere Gestalt grösserer Condylome himbeeren-, blumenkohl- oder traubenartig, und durch gegenseitigen Druck und durch Einklemmung zwischen den Hautfalten glatt, hahnenkammartig erscheint.
Sehen wir einmal zu, wie sich diesem histologischen Bilde gegenüber die Wirkung der Thuja auf die Haut darstellt, wozu uns die Nachprüfung der österreichischen Aerzte besonders brauchbares Material darbietet.
Darin finden wir an verschiedenen Körperstellen das Auftreten knötchenartiger Hauteruptionen. Es treten trockne Warzen an den Händen auf, welche kegelförmig oder rundlich sind, Anfangs eine glatte Oberfläche zeigen, im Verlaufe ihres Wachsthums aber schrundig und der Maulbeere ähnlich werden. Andererseits erscheinen nässende, feuchtende Auswüchse von röthlicher Farbe, welche an der Aftermündung, am Mittelfleisch, in der Kerbe der Hinterbacken, aber auch am Ohr (und an der Conjunctiva ?) beobachtet worden sind. Als Andeutungen von Hautwucherungen kann man wohl auch die bei den Prüfungen beobachteten Wulstungen der Naht des Mittelfleisches und an der Aftermündung betrachten.
Alle diese Hautwucherungen erscheinen erst nach längerer Fortsetzung des Thuja-Gebrauches.
Als charakteristische Eigenthümlichkeiten der Thuja-Warzen sind hervorzuheben: ihre breite kegelförmige Gestalt, ihr Sitz an der Oberfläche des Hautgewebes, die Zerklüftung der Oberfläche bei grösseren und älteren Exemplaren und endlich der chronische Verlauf, welcher viele Wochen, ja Monate in Anspruch nehmen kann.
Interessante Belege für die Warzen erzeugende Fähigkeit der Thuja, bei vorhandener Disposition, finden wir an den Prüfungsresultaten bei der Familie des Dr. Huber.
Die Frau, welche schon früher viel an Warzen gelitten, und auch beim Beginn der Prüfung eine solche schon seit Jahren bestehende am linken Handrücken hatte, nahm vom 18. bis 28. Juni täglich zehn Tropfen der reinen Thuja-Tinktur. Bei geringem Einfluss des Mittels nach der subjectiven Seite hin, brachte es schon am fünften Tage an beiden Händen mehrere mohnsamengrosse, warzenartige Hautwucherungen hervor, die sich während der fortgesetzten Prüfung bis zu der Anzahl von sechzehn Stück vermehrten. Nach der verschiedenen Entstehungszeit hatten sie auch zu Ende der Prüfung verschiedene Grössen. Ihre Gestalt war die eines abgestutzten Kegels; die Oberfläche glatt, flach aufsitzend. Erst vierzehn Tage nach Schluss der Prüfung trat im Wachsthum der Warzen Stillstand ein. Die grössten waren wie eine kleine Erbse, und bei diesen hatte sich die erst glatte Oberfläche in eine rauhe und rissige umgewandelt; die übrigen blieben glatt. So blieb es bis Mitte August, wo die Prüferin bemerkte, dass die grösseren Warzen in der Mitte einfielen und so ein Grübchen mit wulstigem Rande bekamen. Nach und nach verschwand dieser Rand und mit ihm die Warze. Die kleineren verloren sich jedoch ohne diese Erscheinung. Den 10. September bestanden noch acht Warzen; am 12. Dezember (also nach länger als fünf Monaten nach beendeter Prüfung) waren alle bis auf eine kleine, am dritten Gliede des linken kleinen Fingers, vergangen.

Drei Kinder des Dr. H. wurden ebenfalls zur Prüfung herangezogen, und zwar nahmen sie die Verdünnungen der Thuja von der 30. bis zur 1. ein. Bei keinem der Kinder zeigten sich subjective Veränderungen im Befinden; aber der älteste Knabe (von zehn Jahren) bekam sechs, der jüngere (von fünf Jahren) fünf und das Mädchen, sieben Jahre alt, drei Warzen an den Händen. Bei dem älteren Knaben, der besonders disponirt erschien, traten nach Schluss der Prüfung noch immer frische Warzen hervor, sodass er am 11. Dezember noch zweiundzwanzig von verschiedener Grösse hatte; um dieselbe Zeit waren sie bei dem jüngeren Knaben jedoch schon bis auf eine wieder vergangen. Es ist in diesen Prüfungen auffallend, wie das Mittel, das sonst eine solche Reihe von bedeutenden subjectiven Symptomen hervorzurufen pflegt, hier seine ganze Kraft auf das Hautgewebe gerichtet und dieselbe in der Erzeugung der Warzen erschöpft zu haben scheint. Der therapeutische Versuch hat den Erwartungen, die man auf Grund des Aehnlichkeitsgesetzes in Bezug auf die Heilung von Hautwarzen an Thuja stellen durfte, vielfach entsprochen. Wir geben folgende einzelne Fälle:

Dr. Frank in Osterode, der vor vierzehn Jahren mit vielen Warzen an den Händen behaftet gewesen, die mit Antimon-Seife vertrieben wurden, hatte seit vier Jahren am linken Nasenloch einen breit aufsitzenden, etwas beweglichen Auswuchs, an dem er öfter bis zum Bluten zupfte, worauf sich eine ungestielte Warze entwickelte, die den Umfang einer grossen Erbse erreichte. Dr. Fr. rieb dieselbe lediglich ein paar Mal mit Thuja-Tinctur ein. Nach einigen Tagen wurde die Warze schwarz und bekam an der Oberfläche viele Risse. Nun entfernte er die aufgesprungene Rinde mit einem Messer und überlies den Auswuchs sich selbst. Dieser vergrösserte sich wieder, aber die Oberfläche blieb glatt, glänzend, hornartig. Jetzt wandte Dr. Fr. das Mittel wieder äusserlich an, und schon am nächsten Tage trat dieselbe Veränderung wie das erste Mal in Farbe und Form des Auswuchses ein; er setzte dies mit Einhaltung von Pausen einige Zeit fort. Die Warze wurde hiernach kleiner und in vier Wochen (die Pausen mit eingerechnet) war der Prozess der Rückbildung vollendet und die Warze vergangen.
Ein vierzehnjähriger Knabe von scrophulösem Habitus hatte an den Händen 30-40 Warzen; besonders war der Handrücken damit besät. Ihre Grösse war von einem Hirsekorn bis zu einer Erbse. Die Oberfläche war bei den kleineren glatt, fast durchscheinend, bei den grösseren rauh, punktirt, dem Blumenkohl ähnlich. Ihre Consistenz war nicht gar hart.
Am 6. October 1844 erhielt Patient die erste Verdünnung der Thuja, Abends fünf Tropfen; dabei sollte er zugleich mit der etwas gewässerten Tinctur des Mittels die Warzen täglich auswaschen. Obgleich der Knabe das Mittel sehr unregelmässig gebrauchte, war doch schon am 17. November (also nach Verlauf von sechs Wochen) nicht die geringste Spur von einer Warze mehr zu sehen, ja es war nicht einmal der frühere Standort derselben durch eine Veränderung der Haut zu erkennen. Interessant in diesem Fall ist noch eine während dieser Heilung auftretende Nebenerscheinung, die wir entschieden auf die Wirkung der Thuja setzen müssen; es bildete sich nämlich am oberen Lidrand, dicht am innern Winkel des rechten Auges ein dunkelrother Knoten, der erst weich, allmälig fester wurde und die Grösse einer Zuckererbse erreichte. Dieser abscedirte, entleerte viel Eiter und heilte dann spontan.
Folgender Fall zeigt uns eine Verschiedenheit im Heilungsvorgang je nach der Art der Warzengebilde. Er betrifft ein vierzehnjähriges, noch nicht menstruirtes Mädchen von dunklen Haaren und Augen, welches an der rechten Hand wohl an 25 Warzen hatte, diese waren theils hornartig (wie Hühneraugen), theils weniger hart und an der Oberfläche rauh, oder glatt und klein. Das Mädchen brauchte das Mittel, wie oben der Knabe, innerlich und äusserlich; als sie aber 30 Tropfen der Dilution verbraucht hatte, hörte sie mit Einnehmen auf und wandte die Tinctur gegen 5 Wochen nur noch äusserlich an. Danach vergingen wohl die Hälfte der Warzen gänzlich, die anderen wurden flacher und niedriger, aber sie verschwanden nicht vollkommen. Der Heilungsvorgang war zweifacher Art: Bei drei hornartigen Warzen entzündete sich das subcutane Zellgewebe und es bildete sich ein Abscess, nach dessen Eröffnung die über dem Eiterheerde befindliche Haut sammt der Warze abstarb. Die kleinen glatten und weichen Warzen wurden allmälig glatter und verschwanden ganz unter Abschilferung (Defurfuratio) der übereinander gelagerten Hautschichten, ohne eine Spur zu hinterlassen.
Dr. Blödau wendete in einem Fall gegen Warzen in grosser Anzahl Thuja 30. Verdünnung an, worauf heftige Verschlimmerung eintrat. Nach acht Tagen gab er nun mit Thuja 30 befeuchtete Streukügelchen, und nach vier Wochen waren alle Warzen abgefallen.
Folgende, von Dr. G. W. Gross im Archiv 15. 3. mitgetheilte Heilungsgeschichte ist in mehrfacher Hinsicht ebenso lehrreich als interessant.
Ein junger Mann, gegen 30 Jahre alt, klagte ihm schriftlich Folgendes: Ich leide an einem Flechtenausschlag, der sich über das ganze Gesicht verbreitet. Er zeigt sich besonders nach Erhitzung als rothe Flecke, die dann weisse Schuppen absetzen, und verursacht Stechen, Brennen und Jucken. Zuweilen sind auch die Augenlider ganz davon bedeckt. Ausserdem leide ich an Schwäche des Magens mit Säure und Aufstossen, an Aufgetriebenheit des Unterleibes mit Blähungen, an Hartleibigkeit mit Brennen am After, an Herzklopfen und zuweilen an Rückenschmerzen. Als Kind hatte ich einen Ausschlag auf dem Kopfe und in meinem 14. und 21. Jahre im Gesicht. Mit 17 Jahren bekam ich kleine Hauterhöhungen auf den Händen, ähnlich den Warzen, welche von Jahr zu Jahr an Grösse und Menge zunahmen. Dagegen brauchte ich mit 25 Jahren ein äusseres Mittel, wonach die Warzen vergingen, sich aber nach 10-12 Tagen jene Flechtenausschläge im Gesicht einstellten, von denen ich bis heute nicht befreit werden konnte. Gebraucht habe ich schon blutreinigenden Thee, Schwefel, Graphit und Quecksilber, aber ohne Erfolg. Auf eine sechswöchentliche Kur in Carlsbad verschwanden die Flechten auf mehrere Monate, aber seit längerer Zeit haben sie sich wieder eingestellt.
Dr. Gross schickte dem Patienten acht Gaben Arsen 30 mit der Weisung, jeden vierten Tag eine zu nehmen. Danach kamen wieder einige Warzen zum Vorschein, ohne aber dass sich die Flechte verlor. Dieser Umstand (wohl auch die Annahme eines sykotischen Grundleidens, Ref.) führte Dr. G. auf die Wahl von Thuja, von der er sechs Gaben (wahrscheinlich wohl in der 30. Verdünnung, Ret) in viertägigen Zwischenräumen nehmen liess. Der Erfolg war, dass die Warzen sowohl als auch die Gesichtsflechte vergingen.
Eigene Beobachtung. Ein Mädchen von ca. vier Jahren mit blonden Haaren und Augen und zartem Körperbau, hatte an den Fingern beider Hände eine beträchtliche Anzahl kleiner, rundlicher, glatter Warzen. Die Mutter dieses Kindes hat vielfach an Gebärmutterentzündung, Menorrhagien gelitten, war im höchsten Maasse nervös, und hegte ich Verdacht, dass sie von ihrem Mann mit sykotischem Gift inficirt worden sei: Das Kind erhielt Thuja 30, alle vier Tage fünf Streukügelchen: nach Ablauf von etwa sechs Wochen waren die Warzen geschwunden und sind auch nicht wiedergekehrt: ein Heileffekt, der vielleicht von allopathischer Seite wenn nicht abgeleugnet doch als etwas Unbedeutendes angesehen werden möchte, den ich jedoch als ein wichtiges Zeugniss für die Trefflichkeit unserer Heilkunst hochhalte.
Auch in der Thier-Heilkunst hat sich unsere Thuja bei Warzenbildungen wohl bewährt. So wird im Archiv 14. 2. 108 berichtet: Bei einem Pferde, welches Warzen an Kopf und Schwanz seit einigen Jahren hatte, heilten dieselben nach Thuja 2 Tropfen, später Thuja 18 und 20 repet. in drei .Wochen vollkommen. Bei drei Kühen heilten Warzen am Euter nach Thuja 2. 6 Tropfen vollständig.
Dr. Genzke berichtet in seiner homöopathischen Arzneimittellehre für Thierärzte folgenden Fall: Bei einem jährigen Kalbe zeigte sich eine Menge unregelmässiger, gestielter und ungestielter, mit einander verwachsener, leichtblutender Warzen, in der Gegend des Euters und in der Nähe des Afters. Diese Warzen sonderten eine übelriechende, schmierige Feuchtigkeit ab. Dabei war das Thier rauhhärig, abgemagert, und hatte in den Haaren eine schmierige Feuchtigkeit. Weder das Abschneiden der Warzen und darauf folgendes Brennen derselben mit Glüheisen, noch das Bestreichen mit Salpetersäure leisteten etwas; die Warzen wuchsen immer wieder; Thuja, innerlich und zugleich das Bestreichen äusserlich mit der reinen Essenz beseitigten das Uebel binnen fünf Wochen.
Die Heilungen von condylomatösen Hautexcrescenzen mittelst Thuja so glänzend sich das homöopathische Heilprincip in ihnen offenbart, lassen wir hier bei Seite, um die Grenzen dieses Aufsatzes nicht gar zu weit hinauszuziehen.


Calcarea carbonica

Pathogenesis: Es entstehen sehr viele, ganz kleine Warzen. Hahnemann's Chron. Krankh. I. 9.15.
Warzenähnliche Auswüchse hinter dem Ohr entzünden sich und werden zu Geschwüren. 916.
Eine Warze in der Ellenbogen-Beuge entzündete sich, schmerzte wie Blutschwär und vertrocknete. 917.
Mit Calcarea carbonica eröffnet sich die Reihe der Warzenmittel aus den von Hahnemann als Antipsorica bezeichneten Mitteln, Heilmittel, von denen man, abgesehen von allen therapeutischen Anschauungen, wenigstens die Thatsache festzuhalten hat, dass sie die Heilung chronischer, oft mit chronischen Gewebsstörungen einhergehender Krankheiten auf centrifugalem, d. h. auf einem nach aussen gerichteten Wege vollbringen, indem sie zuletzt das Hautorgan zu einer Art kritischen Ausscheidung von Auswurfsstoffen benutzen. Beim spontanen Heilungsvorgange sehen wir auch nicht selten, wie die krankhafte Erregung sensibler oder motorischer Nerven durch Eintritt des peripherischen, trophischen Nervensystems in die Action zur Norm zurückgeführt wird. (Dahin zielen ja auch die sogenannten Krisen, der Badeausschlag bei der Hydrotherapie.) Sind nun Warzen oft die Ausdrücke einer Gewebsstörung eines inneren Organs, so ist es plausibel, wie unsere Antipsorica dann so gute Dienste leisten können, noch mehr aber, wenn das Hautgewebe selbst Sitz und Heerd einer Ernährungsstörung ist. Unsere Calcarea carbonica bezeugt sich in der Praxis bei den Warzen, die im jugendlichen Alter auf scrophulösem, bleichsüchtigem, hydrogenoidem Boden sich entwickeln, in hervorragender Weise. Hierzu einige einzelne Fälle als Illustration!
Bei einem vierjährigen Mädchen, das früher an Flechten gelitten hatte, war seit mehreren Monaten Gesicht, Ohr und Hals mit einer Menge von Warzen übersät; diese hatten die Grösse eines Stecknadelknopfes bis zu der einer Zuckererbse, waren an der Basis weich, fast von der Farbe der Haut, auf der Oberfläche hart, rauh, weisslich, hornartig. Nach dreimonatlichem Gebrauch von Calcarea carbonica 15,16, (6 Gaben) schwanden dieselben, indem die Basis sich entzündete, worauf die Warzen zu einem dunkelbraunen Schorf zusammentrockneten, der mittelst Eiterung abgestossen wurde. Allg. hom. Zeit. 5.83. Knorr. Bei einem zweieinhalbjährigen Knaben wurden ebenso gestaltete Warzen, aber nicht in so grosser Anzahl, im Gesicht durch Calcarea carbonica 15. 2 Tropfen innerhalb zweier Monate beseitigt, und zwar ganz in derselben Weise.
Ibidem.
Ein Knabe von fünf Jahren hatte seit zwei Jahren eine grosse Menge Warzen am rechten Arm; diese verschwanden nach Calcarea carbonica 30, wöchentlich eine Gabe, in vier Wochen.
Ibidem.
Ein Mädchen von vierzehn Jahren hatte nach Masern eine Art Chorea bekommen, dazu an den Händen eine Anzahl kleinerer und grösserer Warzen; letztere wurden nach Calcarea carbonica immer flacher und verschwanden eine nach der anderen. Arch. 8. 1. 46.
Rummel.


Causticum

Pathogenetisches: Ein Ausschlagsknötchen am Zeigefinger wird zur Warze. Hahnemann's chronische Krankh. Bd. IV. 859.
Alte Warzen an der Nase oder an den Augenbrauen diese Bemerkung des Meisters in der Einleitung zu jenem Mittel rührt ohne Zweifel ex usu in morbis her.
So geringfügig diese Daten erscheinen, so hat doch die therapeutische Anwendung, indem sie die auf das Hautgewebe gerichtete spezifische Tendenz dieses wichtigen Mittels und seine sonstigen spezifischen Eigentümlichkeiten berücksichtigte, die Wirkung desselben bei Hautwarzen deutlich konstatirt.
Ein Mädchen, fünfzehn Jahre alt, schlank, blond, bekam vor längerer Zeit eine Warze an der Spitze des linken Zeigefingers, ganz dicht am Nagel. Sie erhielt Causticum 12 drei Tropfen in einer halben Unze gewässerten Weingeistes, womit sie Morgens und Abends eine kleine leinene Kompresse angefeuchtet auf die Warze aufband. Nach fünf Tagen hatte sich die Warze schon etwas verkleinert. Nun wurde das Mittel blos Abends angewandt, und nach zehn Tagen nur noch alle zwei Tage einmal. Nach fünfzehn Tagen war die Warze verschwunden; sie war nach und nach vertrocknet und hatte sich von der darunter liegenden gesunden Haut abgeschält. Archiv 18. 1. 67. Tietze.

Hier hat also Causticum in der äusserlichen Anwendung einer verhältnissmässig hohen (der zwölften) Verdünnung zur Heilung der Warze geführt.
Causticum 200, eine Gabe, beseitigte bei einem Mädchen von zehn Jahren eine Warze mit breiter Basis am Nagelglied des rechten Daumens welche schon längere Zeit bestanden hatte. Die Warze entzündete sich und heilte durch Vereiterung, eine kleine weisse Narbe hinterlassend.
Archiv 3. 2. 133.
Ein Mann von 50 Jahren hatte neben Fehlern der Sehkraft, dichtem Flor vor den Augen, alte warzenartige Auswüchse im Gesicht; nach Causticum 200 vergingen dieselben. Allg. h. Z. 34. 152. Nunnez.
Goullon sen. heilte sehr schmerzhafte, entzündete Warzen mit Causticum 30 eine Gabe in vier bis sechs Wochen. Arch. 14. 2. 108.


Lycopodium

Pathogenetisches: Ein paar. Knötchen am Zeigefinger, Warzen ähnlich, welche aber bald vergehen, Hahnemann's chronische Krankh. Band II, 618.|
Espanet sagt, wie die sykotischen Excrescenzen von Lycopodium, sind die von demselben gebildeten Warzen zerklüftet oder gefurcht, mit einem herpetischen Hof kleienartiger Abschilferung umgeben. — Doch spricht folgender Fall nicht für die letztere Angabe:
Ein Mädchen, scrophulös, sechs Jahre alt, mit den dem Allgemeinleiden entsprechenden Geschwüren behaftet, bekam einst über Nacht eine bedeutende Menge kleiner, weicher, gestrahlter Wärzchen am Kinn. Nach Lycopodium 6. früh und abends zwei Tropfen und Befeuchtung der Warzen mit Tinct. Lycopod. verloren sich in wenigen Tagen alle und auch die scrophulösen Geschwüre erhielten ein besseres Ansehen.
Hirsch, Zeitschrift 4. 189. Teller.


Natrum muraticum

Hahnemann's chronische Krankh. IV. Er bekommt einige Warzen im Handteller, welche beim Aufdrücken schmerzen.
Die alten Warzen fangen an schneidend zu schmerzen. Ferner findet sich in der Nachprüfung des Kochsalzes (s. österreich. Zeitschr. f. Hom. IV, 1.) eine hierher bezügliche Beobachtung. Der Fall betrifft ein Mädchen von 18 ½ Jahren, von scrophulöser Konstitution, das als Kind neben einer Reihe von ausgeprägten scrophulösen (psorischen) Affectionen auch eine Neigung zur Rachitis gezeigt und vom vierzehnten bis zum siebenzehnten Jahre (wo die Menses eintreten) an hochgradiger Chlorose gelitten. Seit circa anderthalb Jahren, während die Regel sparsam, unordentlich. bleich und wässerig war, befiel die Patientin eine unwiderstehliche Neigung, Kochsalz, oder auch Zucker zu geniessen. Von jener Zeit erzeugten sich bei ihr auf beiden Händen so ungeheuer viele Warzen (wovon früher nur zwei bis drei vorhanden), dass man auch nicht eine stecknadelkopfgrosse Stelle daran freifand. Auch bestanden seit einem Jahre leichte Anfälle von Magenkrampf, die sich später verschlimmerten und mit Unterleibskrämpfen combinirten. Dabei nahm die Körpermasse immer mehr ab und wurde ihr Aussehen immer bleicher. Dr. Engelhardt, der diesen Fall in Thirer's praktischen Beiträgen (I., 149) berichtet, fand erst im Spiritus nitri dulcis, nachdem er mehrere Mittel ohne Erfolg gegeben, das wahre Heilmittel. Er hat das letztere als das von Hahnemann gegen übermässige Kochsalz Wirkung gefundene und erprobte Antidot verabreicht; zuerst 4. Verdünnung, täglich 2 Tropfen, später in geringeren Gaben. Der Erfolg war ein schlagender: Binnen sechs Tagen waren fast sämmtliche krankhafte Zufalle verschwunden. Sämmtliche Warzen auf den Händen vertrockneten in kurzer Zeit.
Wenn hier schon das gesammte Krankheitsbild mit den pathogenetischen Erscheinungen des Kochsalzes eine unverkennbare Übereinstimmung bekundeten, so hat die Wirkung des dem Kochsalz antidodarisch gegenüberstehenden Sprit. nitr. dulcis dies erhärtet; somit hat sich hier aber auch die Warzen erzengende und befördernde Kraft von Natron muriaticum, die sich in Hahnemann's Prüfung schon zeigt, bis zur Evidenz bestätigt. Ich möchte die Aufmerksamkeit der Herren Kollegen auf dies Mittel bei Vorhandensein übermässig entwickelter Warzen an den Fingern und Händen bei jenen blutarmen, chlorotischen, mit allerlei Magen- und Unterleibsbeschwerden, Stuhlverstopfung, blasser, sparsamer, unordentlicher Regel behafteten Mädchen hinlenken. Dass aber auch bei der männlichen Jugend unser Mittel unter entsprechenden Verhältnissen seine Heilkraft bewährt, dafür will ich einen kleinen Belag aus eigener Praxis beibringen.


Eigene Beobachtung

Ein Knabe von 12 Jahren leidet öfter an plötzlichem Herzklopfen, ein organisches Herzleiden liegt aber nicht vor. Was ihn am 13. Oktbr. v. J. zu mir führte, waren eine Menge breiter, ungestielter, glatter Warzen, die sich an den Fingern und der Hohlhand, besonders aber auf dem Rücken beider Hände zeigten; die linke Hand ist aber vorzugsweise Sitz derselben. Patient bekam zunächst Thuja 30 in Streukügelchen, alle vier Tage eine Gabe von 5 Stück. (Die Mutter, die ich auch in Behandlung habe, litt an einem Gebärmutterleiden, für dessen sykotische Natur vielfache Anzeichen waren.) Die Wirkung der Thuja die der Knabe bis zum Februar fortgebrauchte, blieb aus, auch als ich bis zum März die Nachwirkung abwartete. Nun gab ich ihm Natron muriaticum 6. Verreibung Morgens und Abends eine kleine Messerspitze voll. Bis zum 3. April waren die Warzen am Handrücken und an den Fingern vergangen; die in der Vola manus waren kleiner geworden und sind in der Folge auch völlig verschwunden. Das Herzklopfen hatte sich inzwischen auch verloren. — Die Dosis war eine fast zu starke, dies bewiesen die beim Gebrauch des Mittels aufgetretenen Nebenerscheinungen: er bekam öfter beim Gehen einen heftigen Druck auf der Brust, der sich bis zum Rücken hin erstreckte, den Thorax so zusammenpresste, so dass er hinfiel. Auch hatte er einige Mal während des Mittelgebrauchs nächtliche, epilepsieartige Zufalle gehabt, woran er früher nie gelitten, so dass ich mich genöthigt fand, das Mittel später in Einschaltung von zweitägigen Pausen zu verabreichen.


Sepia

H.'s chron. Kr. III., 874
An der äusseren Seite der Hand will sich eine Warze bilden. Hartmann sah in zwei Fällen Fingerwarzen nach Sepia verschwinden (Allg. h. Zeit. 1. 76) und Schröter, ibidem 33. 49, nach Sepia 1600 Warzen am Halse, mit hornartigem Auswuchs in der Mitte, nach drei Monaten abfallen, und ibidem 42. 72, kleine juckende, platte, härtliche Warzen an Händen und Gesicht nach Sepia 1000 drei Gaben nach zwei Monaten sich verlieren.

Sulfur

Dass ein Mittel wie Sulfur, der Hauptrepräsentent der anti-psorischen Heilmittel, das auf die Haut einen so eminenten Einfluss ausübt, auch auf die Warzengebilde einwirken möchte, liesse sich a priori annehmen, die Prüfungen haben dennoch kein positives Resultat nach dieser Richtung hin geliefert; ein klinischer Fall spricht aber dafür.
Eine Hysterica litt neben verschiedenen Beschwerden auch an hornartigen Warzen an den Fingern, wie Hühneraugen; diese verkleinerten sich beim Gebrauch von Sulfur (wahrscheinlich 30. Potenz, Ref.) und verschwanden endlich ganz. Archiv 10. 2. 106. Rückert.
Damit hätte ich das klinische Material, so weit es mir zu Gebote steht, hinsichtlich des uns beschäftigenden Gegenstandes erschöpft. Indessen ist noch eine ganze Anzahl von Mitteln vorhanden, von denen wir theils durch die Prüfungen, theils durch deren therapeutischen Gebrauch erfahren haben, dass sie Warzen oder ihnen analoge Gebilde auf der Haut hervorzubringen vermögen, oder schon bestehende mehr oder weniger beeinflusst haben. Ich nenne nur: Ambra, Antimon, Arsen, Baryt, Borax, (Natron boracicum, wie überhaupt die Natronmittel, schon Natron carbonicum hierher gehören), Carbo animalis und vegetabilis, Chelidonium, Euphorbium, Euphrasia, Hep. sulfc, Kali, Laches., Nitr. acidum, Petroleum, Phosphor, Ruta, Sabina, Sassa-parilla, Silicea, Staphysagria, Sulf. acidum.
Hören wir noch, was der vielerfahrene Jahr in seinem therapeutischen Leitfaden, worin er die Quintessenz seiner klinischen Erfahrungen gegeben, in Bezug auf diesen Gegenstand sagt: „Es ist mit den Warzen eine eigene Sache. Einige, besonders wenn ihrer viele sind, heilen sich gewöhnlich sehr schnell, andere, besonders alte, einzeln stehende, oft nur sehr schwer." Das hat wohl seinen Grund darin, meine ich, dass die in grösserer Anzahl auftretenden Warzen mehr einem krankhaften, auch durch andere Zeichen ausgesprochenen Zustande, ihr Dasein verdanken, wodurch dann auch die Mittelwahl bestimmt und die Heilung so erleichtert wird; eine einzelne Warze kann viel eher ohne ein Grundleiden, durch zufällige, gelegentliche, örtliche Anlässe entstanden sein. Auf den Ort, wo die Warzen stehen, scheint es dabei weniger anzukommen, fährt Jahr fort, da er mit demselben Mittel sehr oft diese Gebilde an den verschiedensten Orten geheilt habe, obschon die an den Händen und Fingern vorzugsweise Calc, Sepia, Rhus, Dulcam. und Thuja verlangen, sowie die im Gesicht vorzugsweise Caustic. und Calc. Die nahe an den Nägeln vorkommenden heilt, wenn sie mehr fleischig sind, fast stets Caustic, sowie denn überhaupt die fleischigen besonders für dies Mittel geeignet sind, nebst Rhus und Dulcam.; die hornartigen dagegen eher Calc, Sepia, Ant. crud. und Thuja; die gestielten aber vor allen Dingen Lycopodium oder Caust. verlangen. Ausserdem hat er Warzen auf dem Rücken der Hand oder den Fingern mit Natr. carb. und Dulcamara geheilt, sowie die an den Seiten derselben mit Sepia, Thuja und Calc. Bei einer Dame, die den ganzen Hals voll kleiner gestielter Wärzchen hatte, that Lycopodium wahrhaft Wunder, indem dieselben, die schon manches Jahr dagesessen hatten, in weniger als vierzehn Tagen fast ganz vergingen. Die Art der Warzen ist viel wichtiger als der Standort. Bei einzeln stehenden Warzen hat ihm Caust. und Natr carb., zuweilen auch Calc. c. gute Dienste geleistet. Interessant wäre es zu erfahren, wie sich Schüsslers Haut- und Bindegewebs-Mittel diesen Hautexcrescenzen gegenüber verhalten; vielleicht theilt uns der Herr Kollege gelegentlich seine Erfahrungen hierüber mit; namentlich dürfte Kalisulfuricum hier in Betracht kommen, neben Calc.ph., Natr.mur., Kaliumchlorat, Silicea.
Wer etwa den Gegenständ dieser kleinen Abhandlung für geringfügig, ja kleinlich halten möchte, so dass er mit einem tant de bruit pour une omelette darüber aburtheilte, dem antworten wir: ex ungue leonem. Für uns Homöopathen, die Mikrodosisten, ist auch die Mikrologie in der Diagnostik jedes einzelnen Falles pflichtgemäss; ein unscheinbares, aber charakteristisches Symptom kann oft bei der Mittelwahl stark in's Gewicht fallen, ja den Ausschlag geben.

Quelle:
"Zeitschrift des Berliner Vereines homöopathischer Aerzte"
Zweiter Band.
1883
Seiten 91-106


 
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