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Unterhaltungen über Themata aus der Arzneimittellehre. Von Dr. Dahlke._No. XIX. B. Ich bin mir nie recht klar darüber geworden, welche Rolle eigentlich die Psora-Lehre innerhalb der Homöopathie spielt. A. Es ist gut, dass Sie diese Frage tun; denn jeder, der das Ähnlichkeitsgesetz wirklich verstanden hat, muss diese Frage tun. Jeder, der das Ähnlichkeitsgesetz wirklich verstanden hat, fühlt, dass sich mit der Psora-Lehre etwas fremdes einschiebt, sagen wir es gerade heraus: etwas, das die Einheit des Similia similibus stört. Dieses Gefühl wird zur Gewissheit, wenn man die Einleitung zu den chronischen Krankheiten liest, wo Hahnemann die Gründe angiebt, die ihn zur Aufstellung jener dreiköpfigen Grösse — Psora, Syphilis und Sycosis — veranlasst haben. Es heisst da: " ...Das chronische Siechtum liess sich durch alles dieses (d. h. das zweckmässig gewählte homöopathische Mittel) im Grunde nur wenig in seinem Fortgange vom homöopathischen Arzte aufhalten und verschlimmerte sich dennoch von Jahr zu Jahr. Dieses war und blieb der schnellere oder langsamere Vorgang solcher Kuren aller unvenerischen, beträchtlichen chronischen Krankheiten, selbst wenn sie genau nach den Lehren der bis hierher bekannten homöopathischen Kunst geführt zu werden schienen. Ihr Anfang war erfreulich, die Fortsetzung minder günstig, der Ausgang hoffnungslos." Diese durch Erfahrung konstatierte Tatsache habe ihn, fährt Hahnemann fort, jahrelang aufs intensivste bsschäftigt, bis sie schliesslich ihre Lösung in der Entdeckung der drei chronisch-miasmatischen Krankheiten, der "Ur-Übel" gefunden habe. Wie anders hier der Wind weht, als in der Region des Similia similibus, wo von Fall zu Fall individualisiert wird, geht daraus hervor, dass wir hier für jede der drei Krankheiten je ein Allgemeinmittel haben, für die Psora den Sulfur, für die Syphilis den Mercur, für die Sycosis die Thuja. Es ist klar, dass diese Mittel nicht auf Grund eines Gesetzes, sondern nur empirisch gefunden sein können. B. Ich sehe noch nicht recht ein. Bestände nicht doch die Möglichkeit, dass bei der Aufstellung dieser drei Mittel unser Gesetz mitgewirkt hätte?
A. Das ist deshalb schon unmöglich, weil bei der Aufstellung dieser drei Krankheiten kein Gesetz mitgewirkt hat. Das Simile-Gesetz kann naturgemäss nur da wirken, in Kraft treten, wo die Krankheit sich im Symptomenbild genügend darstellt, sich erschöpft. Nur da wo es heisst: "Krankheit ist die Summe aller Symptome" passt das Simile. Psora ist aber gerade das, was sich in den Symptomen nicht erschöpft, was in der Tiefe eine Wurzel zu sitzen hat, aus der ständig neue Krankheitsblüten hervorsprossen. Hahnemann sagt an der diesbezüglichen Stelle: "Der Arzt hat es hier immer nur mit dem abgesonderten Teil eines tief liegenden Ur-Uebels zu tun, dessen grosser Umfang in den von Zeit zu Zeit sich hervortuenden neuen Zufällen sich zeigt. Er darf sich daher keine Hoffnung machen, die einzelnen Krankheitsfälle dieser Art, in der bisherigen Voraussetzung, als seien es für sich bestehende, in sich abgeschlossene Krankheiten, dauerhaft zu heilen." B. Könnte man aber nicht schliesslich doch mit dem Simile zum Ziel kommen, indem man die einzelnen Krankheits-Efflorescenzen sammelte und so schliesslich zum Gesamtbild vereinigte?
A. Sie dürfen sicher annehmen, dass dieser Weg als praktisch undurchführbar befunden worden ist. — Sie entsinnen sich, dass wir vor einiger Zeit die Möglichkeit solcher Krankheitsfälle konstatierten, an denen das Simile-Gesetz wegen Mangel von Symptomen nicht haften könne. Hier hätten wir, wie Sie sehen, den umgekehrten Zustand: Krankheitsfälle, an denen das Simile wegen unerschöpflicher Fülle der Symptome nicht haften kann. Es wird gleichsam von einem Springbrunnensprudel hinweggespült. — Was folgt nun aus diesem allen? B. Die Unvollkommenheit, die Insufficienz des Simile-Gesetzes, auf die Sie ja an anderer Stelle schon hingewiesen haben.
A. Sie sind schnell bei der Hand mit dem Verwerfen. Das folgt freilich daraus, aber es folgt auch noch etwas anderes daraus, und das klingt schon besser. Es folgt daraus, dass das Simile-Gesetz nur eine gewisse, naturgemässe Mitte repräsentiert, wie schliesslich alles andere in der Welt auch, das heisst: dass es ein wahrhaftiges Naturgesetz ist. B. Ich verstehe das nicht recht.
A. Ich kann es nicht klarer formulieren. Es ist auch mehr Sache des Gefühls und des Nachdenkens. Aber bedenken Sie, dass alles in der Natur sowohl durch ein zuviel wie durch ein zuwenig gehindert resp. aufgehoben wird. Eine unendliche Menge von Naturerscheinungen können nur zwischen gewissen Temperaturgraden bestehen. Ein Darüberhinausgehen nach oben oder nach unten zu hebt sie auf. Bedenken Sie, dass Bewegung nur zwischen gewissen Grenzen auf unser Auge als Bewegung wirkt. Zu grosse Langsamkeit, zu grosse Schnelligkeit stellen sich beide unserem Auge als Zustand der Ruhe dar. Bedenken Sie, dass der im Prisma zerspaltene Lichtstrahl nur als eine gewisse Mitte zu Tage tritt. Die Teile über das Gelb und über das Violett hinaus fallen nicht mehr in den Bereich unserer Sinne. Sie werden vielleicht immer noch nicht sehen, was das mit dem Simile-Gesetz zu tun hat. — Nun, zum mindesten soll es Ihnen zeigen, dass diese Begrenztheit nach oben wie nach unten ein Zeichen wahrer, lebendiger Naturgesetzlichkeit ist. Ich gestehe zu, dass es etwas wunderlich ist, das Simile-Gesetz mit z. B. dem Gährungsprozess oder mit einem Gewächs zu vergleichen. Aber lassen Sie sich dadurch nicht abstossen. Denken Sie nur öfter und in Ruhe darüber nach. Nun liegen anderseits die Nachteile, die hieraus für den Praktiker erwachsen, auf der Hand. Wir können diese Bestätigung lebendiger Naturgesetzlichkeit des Simile nur, shakespearisch zu reden, "mit einem heitern, einem nassen Auge" hinnehmen. Wir haben an anderer Stelle gesehen, dass da, wo das Simile-Gesetz aus Mangel an Symptomen nicht haften, nicht in Tätigkeit treten kann, die Empirie einsetzt. Hier sehen wir nun, dass da, wo das Simile-Gesetz wegen Unerschöpflichkeit der Symptome nicht haften kann, das Artefizielle einsetzt, ein künstliches System, das man einen Kompromiss mit der Natur nennen könnte. B. Es ist mir stets so vorgekommen, als ob Hahnemann mit der Psora-Lehre den exakten naturwissenschaftlichen Boden des Simile verlassen habe und in jenes Fahrwasser zurückgeglitten sei, in dem die Medizin sich seit Jahrtausenden bewegt, ich meine das Fahrwasser der Hypothesen.
A. Sie haben allerdings nicht Unrecht. Ich will Ihnen aber einiges zu bedenken geben, von dem ich hoffe, dass es Ihr Urteil in etwas modifizieren wird. Bedenken Sie erstens, dass die von Hahnemann aufgestellte Theorie über die drei Ur-Übel vor unzähligen anderen Hypothesen den Vorzug besitzt, dass sie auf Tatsachen, auf der Wirklichkeit ruht, und dass das Hypothetische weniger darin besteht, ob Psora, Syphilis und Sycosis Ur-Übel sind, sondern ob sie es in dem Umfange sind, den Hahnemann ihnen beimisst, das heisst: ob sie die alleinigen Ur-Übel sind. Bedenken Sie ferner, dass der Faktor, der mit der Psora-Theorie gewissermassen selbständig wurde und seine offizielle Anerkennung erhielt, schon innerhalb des Simile-Gesetzes geschlummert hatte und zwar in der Form des ätiologischen Moments, in welcher Form es stets einen Faktor bei der Mittelwahl ausgemacht hat. B. Was verstehen Sie eigentlich unter dem ätiologischem Moment?
A. Nun, ich verstehe darunter alles innerhalb unserer Therapie, was auf die Ätiologie eines Leidens bezug hat, z. B. kalter Trunk, Durchnässung, äussere Verletzung, Einwirkung der Sonnenstrahlen u. s. w. B. Aber fällt denn da das ätiologische Moment nicht mit den Reaktionen zusammen? Denn ebenso gut, wie Sie sagen können: "Kalter Trunk ist die Ätiologie eines Leidens", könnten Sie doch auch sagen: "Ein Leiden reagiert auf kalten Trunk mit Verschlimmerung."
A. Doch nicht. Ich will nicht ableugnen, dass wohl ein Grenzgebiet denkbar ist, auf dem Ätiologie und Reaktion zusammen fliessen, aber im allgemeinen ist der Unterschied zwischen beiden doch klar gegeben. Nehmen wir noch mal den "kalten Trunk". Als ätiologisches Moment hat er nichts mit dem Symptomenbild zu schaffen. Einer, dessen Leiden durch kalten Trunk hervorgerufen ist, der braucht nicht auf kalten Trunk mit Verschlimmerung seiner Beschwerden zu reagieren. Das ätiologische Moment steht ausserhalb des Symptomenbildes. Es stammt schon aus einer anderen Ordnung der Dinge, die mit dem Simile-Gesetz nichts mehr gemein hat. Doch darüber sprechen wir später mal. Nun bedenken Sie ferner, eine wie gewaltige Veränderung in der Anschauung, in der Beurteilung der chronischen Krankheiten durch die Psora-Theorie (ich spreche der Kürze wegen nur von Psora, meine aber stets die drei Ur-Übel) hervorgerufen wird. Sie können nicht verkennen, dass der mit dem Simile-Gesetz Arbeitende nur Moment-Bilder aufnimmt. B. Ich muss Ihnen hier das entgegen halten, was Sie seinerzeit über die korrelativen Symptome gesagt haben, als diejenigen, welche den inneren, therapeutisch verwertbaren Konnex zeitlich auseinander liegender Symptome darstellen.
A. Ganz recht. Aber ich sagte Ihnen damals auch, dass gerade die korrelativen Symptome die seltensten, unsichersten und daher am schwersten verwendbaren sind. Sie spielen bei der Mittelwahl so gut wie gar keine Rolle. Alles in allem: Sie sind eine theoretische Grösse. In der Praxis bleibt es bei dem, was ich oben sagte: dass der mit dem Simile-Gesetz Arbeitende nur Moment-Bilder aufnimmt, losgelöst von jedem Zusammenhang mit der Umgebung, von jedem organischen Hintergrund. Dem gegenüber tritt nun die Psora-Theorie auf, indem sie dem Nacheinander der Erscheinungen gerecht wird, jener endlosen resp. anfangslosen Grund-Folge-Kette. Während das Simile- Gesetz absolut nur das anerkennt, was wir mit unseren fünf Sinnen auffassen können, geht die Psora-Lehre auf jenes Dunkle, Unbekannte zurück, auf dem nicht nur die Welt der Krankheiten, sondern die ganze Welt ruht und auf das jeder stösst, notgedrungen stösst, sobald er anfängt, zu denken. Und was meint das in der homöopathischen Praxis: "Jemand fängt an zu denken?" — Das meint dieses: Jemand hat mit allem Fleiss und aller Gewissenhaftigkeit sein Symptomenbild aufgenommen und sein Simile gewählt, und der Erfolg bleibt aus. Ist dieser Jemand nun ein verständiger Mensch, so schüttet er das Kind nicht mit dem Bade aus, sondern er fängt an, zu denken. Und im Denken werden sich ihm der Hauptsache nach zwei Möglichkeiten für seinen Misserfolg ergeben. Es könnte sein, dass die Ähnlichkeit zwischen Krankheits- und Arzneibild nur eine scheinbare ist, dass das dem Fall wirklich entsprechende Arzneimittel überhaupt noch nicht in den Prüfungen niedergelegt ist. Dann werden wir überhaupt keine Einwirkung auf den Fall sehen. Oder wir sehen eine Einwirkung, aber sie ist nur vorübergehend. Hier müssen wir annehmen, dass etwas Unbekanntes dem Simile entgegenwirkt. Wir sind hiermit wieder zum Anfang, zu Hahnemanns Vorrede der chronischen Krankheiten zurückgekehrt. Und ich gedenke, ihnen jetzt., als letztes, klarzulegen, dass die Einführung der Psora-Theorie in das Simile-Gesetz nicht nur etwas berechtigtes, sondern etwas notwendiges war. Innerhalb der Homöopathie ist das Ähnlichkeits-Gesetz ein streng naturwissenschaftlicher Gedanke. Er vertritt die reine Wissenschaft in dem Sinne, wie Mathematik reine Wissenschaft ist und Philosophie, etwa wie sie bei Spinoza und in Kants Kritik der reinen Vernunft gelehrt wird. Nun versuchen Sie, diese reine Philosophie praktisch zu machen, ins Leben umzusetzen, einem Zwecke dienbar zu machen: sofort stossen Sie an. Der Spinozismus passt überhaupt nicht ins praktische Leben, und Kant hat nach seiner Kritik der reinen Vernunft sich genötigt gesehen, eine Kritik der praktischen Vernunft zu schreiben. Nehmen Sie die reine Mathematik. Versuchen Sie, dieselbe praktisch zu machen, einem Zwecke dienbar zu machen, z. B. in der Physik, im Maschinenbau u. s. w. Sofort erkennen Sie, dass Sie hier, im Leben mit dem rein Wissenschaftlichen nicht auskommen. Hier treten Grössen, Einflüsse, Faktoren auf, die Sie vom Papier aus, d. h. von der reinen Mathematik aus nicht beherrschen können. Hier werden sogar manche Regeln der Mathemathik hinfällig; sie treten zurück gegenüber der Empirie. In der Homöopathie entspricht das Ähnlichkeitsverhältnis etwa der Mathematik in den Wissenschaften. Wie alle Wissenschaften nur reine Wissenschaften sind, so weit sie an der Mathematik Anteil haben, so ist die Homöopathie reine Wissenschaft nur, so weit sie Ähnlichkeitsgesetz ist. Liesse sich die Theorie des Similia similibus ohne Verlust in die Praxis umsetzen, so würden unsere Erfolge noch viel grössere sein, als sie in Wirklichkeit sind. Aber sobald das Simile aus der reinen, theoretischen Wissenschaftlichkeit in die Praxis tritt, sobald es dem Zweck dienen soll, geht ihm, wie im analogen Fall der Mathematik und Philosophie, ein gewisser Prozentsatz seiner Heilfähigkeit durch Einflüsse verloren, über die wir im Grunde genommen alle mit einander nichts bestimmtes wissen. Ich glaube, es sind Einflüsse, die einige Vergleichbarkeit mit dem haben, was man auf religiösen Gebiet in dem Wort "Erbsünde" formuliert hat. Wie die "Erbsünde" nicht die "Gnade" zur vollen Wirksamkeit kommen lässt, so verschluckt dieses Unbekannte einen Teil der therapeutischen Verwendbarkeit des Simile B. Wer weiss, ob dieses Unbekannte nicht gar die Erbsünde selber ist?
A. Wer weiss, wer weiss! Thatsache ist, dass Hahnemann diesen Verlust, der sich ihm bei Umsetzung des Ähnlichkeitsgesetzes aus der Theorie in die Praxis ergab, in der Lehre von den drei Ur-Übeln formulierte. So ist, und das bedenken Sie ja, die Homöopathie etwas Vollständiges, dem Leben Angepasstes erst in der Verbindung von Ähnlichkeitsgesetz mit Psora-Lehre. Als Ähnlichkeitsgesetz allein wäre sie ein rein wissenschaftliches, aber auch ein rein theoretisches Gebilde. Die Psora-Lehre ist die notwendige, durch die Praxis geforderte Ergänzung, ist das Komplement des Ähnlichkeitsgesetzes. Wenn Sie von diesem Standpunkt aus die ganze Lehre von den chronischen Krankheiten betrachten, so werden Sie auch hier wenig zu bemängeln, aber viel zu bewundern finden. Doch wenden wir uns jetzt zu etwas Anderem. Wir hatten voriges Mal Sulfur besprochen. Versuchen wir heute ein Bild der Pulsatilla zu entwerfen. Es würde da etwa folgendes anzuführen sein: Alle Symptome zeigen Veränderlichkeit in jeder Beziehung; die Stimmung wechselt; Schmerzen wechseln den Ort und den Charakter; Stühle wechseln im Aussehen und in der Beschaffenheit; Heiserkeit kommt und geht, u. s. w. Alle Symptome verschlimmern sich in der Wärme, werden besser durch Kälte und freie Luft. Alle Symptome besser bei mässiger Bewegung. Das Gros der Verschlimmerung fällt auf die Abend- und Nachtzeit. Besonders gilt das für die Schmerzen und für die Darmsymptome. Alle Sekretionen sind dick, gelb-grün, mild. Nur der Fluor albus ist meist scharf. Der Pulsat.-Kranke ist frostig, kann aber trotzdem keine Wärme, warmes Bett, warme Kleider vertragen. Der Regel nach sind die Pulsat.-Leiden von Durstlosigkeit begleitet. Die Pulsat.-Schmerzen sind meist stechend oder bestehen in dem Unterschworenheitsgefühl. Besonders für die stechenden Schmerzen gilt das "Wandern". Die Schmerzen sind oft von Frösteln begleitet. Bei Frauen, für welche Pulsat. passt, werden sich irgend welche Störungen in der Menstruation finden. Der Regel nach sind die Menses zu spät und zu spärlich. Sie passt besonders für die venöse Konstitution. Bei Entzündungen nehmen Haut und Schleimhäute dunkelrote, bläuliche Färbung an (ohne Neigung zur Gangrän). Die Venen sind geschwollen, bläulich. Es bilden sich Varicen. Geschwüre sind von varicösen Venen umgeben. Blutungen sind dunkel. Der ganze Körper ist wie gedunsen, was bei Frauen mit Eintritt der Menses besser wird. Für Pulsat. charakteristisch ist eine Neigung zu Metastasen, besonders von Parotis auf Mammae oder Hoden oder von den Geschlechtsteilen auf die Gelenke (Knie). Sie passt besonders für nervöse Frauen, für Mädchen in den Entwickelungsjahren nach Eisen-Missbrauch und für solche, denen jede Störung auf die Verdauungsorgane schlägt. Das dürfte etwa das sein, was das Pulsatilla-Bild konstantes bietet. B. Fällt das zuletzt Angeführte "Jede Störung schlägt auf die Verdauungsorgane" nicht mit dem Kali carb.-Symptom zusammen?
A. Sie meinen das Symptom "fühlt jeden Schreck in der Magengrube". Das ist doch etwas anderes. Es handelt sich bei Kal. carb. um einen Zustand allgemeiner Nervosität, bei der der Ort des geringsten Widerstandes die Herzgrube ist. Alle krankhaften Empfindungen strömen hier gewissermassen radienartig wie in einem Zentrum zusammen. Es ist eine nervöse Empfindung, die den Magen selber wenig oder gar nicht zu affizieren braucht. Bei Pulsat. dagegen handelt es sich um wirkliche Magen-Störungen, die durch irgend einen unbedeutenden Anstoss, wie Ärger, leichte Diätfehler, Erkältung u. s. w. hervorgerufen sind. B. Ich verstehe. — Es fällt mir auf, dass Sie die Weinerlichkeit weggelassen haben, die meiner Ansicht nach doch auch zum Konstanten im Pulsat.-Bild gehört.
A. In dieser Form wird Weinerlichkeit zu einem einzelnen Symptom und kann nicht zum Konstanten im Arzneibild gerechnet werden. Tatsächlich ist dieses Symptom mitenthalten in jenem allgemeinen Charakteristikum: "Veränderlichkeit!" Eine veränderliche Gemütsstimmung begreift natürlich auch die tränenreiche mit. Kennen Sie andere Mittel mit dieser veränderlichen Gemütsstimmung? B. Ignat., Crocus.
A. Ganz recht. Diese beiden sind am bekanntesten. Aber denken Sie auch an Nux mosch., Stramon., Kal. carb., Valerian, Aconit, Coffea und eine Reihe metallischer Mittel, vor allem Platin. Kennen Sie andere Mittel, welche diese wechselnden Stühle haben? — Nun Sulf. und Dulcam. dürften die hauptsächlichsten sein. — Sulf. teilt auch eine andere, hierher gehörende Eigentümlichkeit mit der Pulsatilla. Beide Mittel haben verschleppte Menses, die mal einen Tag aussetzen und dann immer wieder frisch einsetzen. Kennen Sie andere Mittel mit diesen wandernden Schmerzen? B. Kal. bichrom.
A. Ja, das ist neben Pulsat. das bekannteste Mittel bei diesem Symptom. Sie haben bei Kali bichrom. auch noch andere Anklänge an Pulsat., z. B. einen Wechsel der Symptome in der Art, dass gastrische Symptome aufhören und dafür rheumatische einsetzen oder umgekehrt. Sie haben den bläulichen, masernartigen Ausschlag, sie haben auf den entzündeten Schleimhäuten die Neigung zur Venosität, aber hier stellt sich Kali bichrom. der Pulsatilla streng gegenüber durch seine Neigung Geschwüre zu bilden, die in der Tiefe gehen und einen diphtherieartigen Belag zeigen. Es dürfte hier der Platz sein, auf eine andere Art von Kali-bichrom.-Schmerzen hinzuweisen. Ich meine das Symptom: "So kleine Stellen schmerzen, dass sie mit der Fingerspitze bedeckt werden können". Dieses Symptom ist ziemlich merkwürdig, aber Sie haben noch einige andere Mittel, bei denen es gut ausgesprochen ist, das sind Fluor. acid. und Oxal. acid. Ferner haben Sie bei Nux mosch.: "Gliederschmerz auf kleine Stellen beschränkt". Bei Rhodod. haben Sie: "Schmerzen an kleinen Stellen der Haut." Bei Argent. nitr.: "Schmerz an verschiedenen Stellen in der Brust von der Grösse eines halben Dollars." Bei Aloe: "Empfindlichkeit der Kopfschwarte stellenweise". Doch um zu unserem Ausgangspunkt zurückzukehren: Kennen Sie noch andere Mittel mit diesen wandernden Schmerzen? — Nun, ausser den beiden genannten (Pulsat. und Kali bichr.) können Sie anführen: Apis, Arnica, Campher, Cauloph., Kalm. lat., Phytol., Rhodod.; Eupat. perfol. hat Schmerzen, die schnell kommen und gehen. Laches. hat neuralgische Schmerzen, welche den Sitz verändern, mit Herzklopfen. Das gleiche Symptom dürfte für Kalm. lat. passen. Gehen wir jetzt zum Symptom "Heiserkeit kommend und gehend" über. B. Da wäre Antim. crd. zu vergleichen.
A. In gewissem Sinne ja. Sie meinen das bekannte Symptom: "Verlust der Stimme, so oft er sehr erhitzt war. Durch Ruhe kam sie wieder." Hier haben Sie erstens das Wechselnde und zweitens die Verschlimmerung durch Wärme, beides bekanntlich Charakteristica der Pulsatilla. Aber das Symptom in toto steht doch ganz isoliert da und gehört nur dem Antimon an. Es wird Ihnen sogar schwer fallen, auch nur Ähnlichkeiten herbeizuschaffen. Sie werden z. B. bei Nux vom. ein Symptom finden, das lautet : "Sieht bei Erhitzung verschwommen." Aber ich gestehe gern zu, dass der Vergleich etwas gewaltsam ist. Als wirkliche Konkurrenten der Pulsat. bei dieser periodischen Heiserkeit merken Sie sich: Gelsem. und Paris quadrif. Bei dem Symptom "Besser bei mässiger Bewegung" müssen Sie natürlich auch die Mittel vergleichen, die Besserung bei Bewegung überhaupt haben, also in erster Linie Rhus tox. u. Ferrum. Ferner denken Sie an Lycopod., und an Agaric., welches letztere im allg. Besserung seiner Beschwerden durch Bewegung hat. Beim Kopfschmerz heisst es hier direkt: "Besser bei langsamem Umherbewegen." Ferner denken Sie an Magnes. carb., das ebenso wie Ferrum die Besserung durch Bewegung zusammen mit der nächtlichen Verschlimmerung hat. Ratanhia hat einen Zahnschmerz mit den gleichen Reaktionen. Ferner vergleichen Sie Chamom. und Veratr. mit dem Symptom: "Schmerzen zwingen zum Umhergehen." Nur dürfen Sie bei beiden Mitteln nicht die "mässigen" Bewegungen erwarten, wie Sie in den Rahmen der Pulsat. passen. Denn der Chamom-Kranke gerät ausser sich vor Schmerz und der Veratr.-Kranke will wahnsinnig werden vor Schmerz. B. Müsste nicht Sepia mit genannt werden?
A. Sicher. Es besteht bei ihr auch fraglos eine Besserung durch Bewegung. Aber hier bezieht sich das Symptom "Besserung durch Bewegung" nicht so sehr auf die schmerzende Lokalität; im Gegenteil könnte hier leicht ein Kopfschmerz oder ein Leibschmerz u. s. w. durch Bewegung schlimmer werden. Sondern die Besserung durch Bewegung bezieht sich mehr auf das Allgemeinbefinden, durch Anregung der Zirkulation bessert sich der ganze Zustand, und Sie werden jetzt verstehen, warum der oder die Sepia-Kranke zur Besserung gerade einer ausgiebigen, lebhaften Bewegung bedürfen. An Sepia schliesst sich jene Reihe von Mitteln an, die das Symptom haben: "fühlt sich besser, wenn er zur Arbeit aufgerüttelt wird. Ihm ist, als ob er weder denken noch arbeiten kann. Sobald er aber mal in Tätigkeit ist, geht es besser." Das sind z. B. Helon., Cyclam., Ferrum, Silic.; Taraxac. hat das Symptom: "Unentschlossen, arbeitsscheu, aber nachdem er angefangen hat, arbeitet er gut." Kal. brom. hat: "Gleichgültig, schläfrig; kann aber bei kräftiger Anstrengung des Willens wie gewöhnlich handeln." Hiermit sind wir freilich weit abgeirrt von unserem Ausgangspunkt. Kal. brom. und Silicea gehören zu jener Gruppe von Mitteln gegen Gehirnermüdung, zu der auch Picrinsäure und Phosphor resp. sein Kalisalz gehören. Und das oben erwähnte Symptom ist bei ihnen nach dieser Richtung hin zu deuten. Kennen Sie andere Mittel mit jener milden, dick-gelben Sekretion? B. Kal. sulf.
A. Sie legen hierbei den Hauptnachdruck auf das ,,gelb". Aber ich glaube auch, dass die Kal. sulf.-Absonderung viele Ähnlichkeit mit der der Pulsat. hat. Für die Augen merken Sie sich bei dieser Art der Sekretion ausserdem noch: Argent. met. und nitr., Lycopod., Rhus. B. Hat Rhus nicht gerade an den Augen die wässerige scharfe Sekretion. Für Rhus gilt doch, dass beim gewaltsamen Öffnen des Auges die Tränen herausspritzen.
A. Ganz recht. Aber ausserdem resp. nachher zeigt sich eine reichliche Eitersekretion, die uns wohl berechtigt, es in diesem Zusammenhang mit zu nennen.
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